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	<title>Kolumne &#8211; risControl</title>
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	<description>Der Verein für Versicherung- und Finanzinformation</description>
	<lastBuildDate>Tue, 18 Aug 2026 16:29:13 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Kolumne &#8211; risControl</title>
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		<title>Über alte Laptops, Kimi K3, kleine Lichter und helle Sterne</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/08/27/kolumne/ueber-alte-laptops-kimi-k3-kleine-lichter-und-helle-sterne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 16:25:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[„Na, was sagst du?“, fragt Kurt stolz und zeigt auf sein Laptop. „Also hast du dir doch ein neues gekauft“, erwidere ich; Kurt hat mir schon vor zwei Wochen das erste Mal betrübt berichtet, dass sich sein Laptop nicht mehr mit dem verflixten WLAN verbindet und er schon alles Mögliche versucht hat, um die Verbindung [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Na, was sagst du?“, fragt Kurt stolz und zeigt auf sein Laptop.</p>
<p>„Also hast du dir doch ein neues gekauft“, erwidere ich; Kurt hat mir schon vor zwei Wochen das erste Mal betrübt berichtet, dass sich sein Laptop nicht mehr mit dem verflixten WLAN verbindet und er schon alles Mögliche versucht hat, um die Verbindung wieder herzustellen, denn ohne Internet, soviel ist klar, lässt sich heutzutage ein Laptop kaum noch sinnvoll nutzen.</p>
<p>„Nein“, sagt Kurt, „ich habe es selbst repariert. Vor ein paar Tagen war ich mit dem Laptop in einer professionellen PC-Werkstätte, aber selbst die Profis konnten den Fehler nicht lokalisieren. Als letzte Alternative nannten sie mir Windows 10 komplett neu zu installieren, aber dafür müssten sie mir 130 € verrechnen. 130 Mäuse für ein Laptop, das schon 14 Jahre alt ist …“</p>
<p>„Was, ehrlich? 14 Jahre? Was ist das für ein Gerät?“</p>
<p>„Lenovo“, erwidert Kurt knapp.</p>
<p>„Lenovo, also – ich verstehe; hätte ich mir bei dir eigentlich denken können.“</p>
<p>„Nein, da liegst du falsch. Vor 14 Jahren, also 2012, habe ich über vieles, das mich heute intensiv beschäftigt, keinen Gedanken verschwendet. Im Gegenteil! Nachdem damals mein Dell-Laptop den Geist aufgegeben hatte, wolle ich mir eigentlich ein ThinkPad von IBM kaufen, die ja lange Zeit als die absoluten Top-Geräte galten. Aber die gab es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr, weil IBM seine PC-Sparte mitsamt der ThinkPad-Produktion längst schon an Lenovo verkauft hatte, was ich damals nicht wusste, weil es mich nicht interessiert hat.“</p>
<p>„Stimmt“, ich nicke, „darüber habe ich kürzlich auch gelesen. Lenovo war vor diesem Deal mit IBM ein überschaubares Unternehmen, das außerhalb von China kaum jemand kannte …“</p>
<p>„… und jetzt ist Lenovo der weltweit größte Hersteller von PCs und Laptops <em>weltweit“,</em> fährt Kurt fort. „Auch IBM war seinerzeit euphorisch, weil sie ihre unprofitable PC-Sparte mit einem Schlag gut bezahlt losgeworden sind.“</p>
<p>„Ja, damals“, sage ich, „aber heute, könnte ich mir vorstellen, wird dieser Deal etwas nüchterner gesehen, um nicht zu sagen <em>düster!</em> Mit dem Deal ging ja nicht nur die Produktion an Lenovo, also China, über, sondern auch das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung und dazu vermutlich ein paar tausend wertvolle Patente. Also ich glaube nicht, dass ein solcher Verkauf heute noch möglich wäre.“</p>
<p>„Da gebe ich dir recht“, sagt Kurt. „Ein solcher Transfer von Technik und Knowhow von USA nach China ist aktuell völlig undenkbar. Und ich glaube, dass zumindest die Falken im US-Establishment besagtes Geschäft inzwischen tief bereuen. Aber zurück zu meinem Laptop: Obwohl es wirklich gut ist wollte ich in ein so altes Gerät nicht weiter investieren, auch weil der Techniker nicht garantieren konnte, dass der Laptop nachher wieder gut läuft. Also habe ich es selbst versucht und siehe da: <em>Up and Running!“</em></p>
<p>Gut gemacht“, ich klopfe Kurt auf die Schulter.</p>
<p>Er nickt: „Manchmal stelle ich mich solchen Aufgaben eigentlich nur deswegen, um mir das Gefühl zu geben, den Anschluss nicht völlig zu verlieren, obwohl die Neuinstallation von Windows 10 natürlich kein sonderlicher Geniestreich ist.“</p>
<p>Ich verstehe, was Kurt mir sagen möchte: „Mein Rechner läuft auch mit Windows 10, aber ich werde mir keinen neuen zulegen &#8211; nur wegen Windows 11, in das sie irgendwelche KI-Funktionen integriert haben, die ich aus heutiger Sicht nicht wirklich brauche. KI kann ich über meinen Browser und die dahinter liegenden Suchmaschine gut nutzen: Die Ergebnisse haben sich signifikant verbessert.“</p>
<p>Kurt beginnt zu lachen. „Stichwort KI: Gewiss hast du die Schlagzeilen über <em>Moonshot AI</em> und <em>Kimi K3</em> gelesen …“</p>
<p>„Selbstverständlich …“</p>
<p>„Also ich habe ich mich sehr amüsiert“, gesteht Kurt. „Die Amis sind natürlich stocksauer, weil ein junges chinesisches Technikgenie namens Yang Zhilin, ein extrem leistungsstarkes KI-System trotz härtester High-Tech-Sanktionen durch USA veröffentlicht hat. Und jetzt zittern sie und drohen sie und sprechen von Plagiat und dass <em>Moonshot AI</em> irgendwelche Nvidia-Microchips illegal genutzt und Daten der US-KI destilliert hätte und all diesen Kram. Aber das wird ihnen nichts nützen …“</p>
<p>Wir sprechen noch eine Weile über Kimi K3 und das politische Erbeben, das durch die Veröffentlichung verursacht wurde, bis Kurt schließlich sagt: „Also nochmals: ich freue mich, dass ich mein gutes alten Laptop wieder online brachte, aber dieser junge Chinese hat mit seinem Erfinderreichtum eine ganze Branch erschüttert. Bildlich gesprochen habe ich eine kleine Kerze angezündet, während Yang Zhilin eine weitere Sonne auch den Tech-Himmel gezaubert hat.“</p>
<p>Nach kurzem Schweigen sage ich: „Du hast recht, technisch gesehen sind wir nur ganz kleine Lichter, wir haben nichts erfunden, was die Welt bewegt. Aber sozial, moralisch und geopolitisch sind wir Sterne – keine Superstars, aber <em>helle Sterne!</em> Wir verbreiten keine grimmigen Lügen, wir sind nie mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten und wir haben auch keinen einzigen Krieg angezettelt. Stell dir die Welt vor, wenn alle so wären wie wir – nur mit ein bisschen mehr technischem Talent, wie in etwa Johannes Gutenberg, Thomas Edison − oder Yang Zhilin.“</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sichtbar werden, ohne sich zu verbiegen</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/08/20/interview/sichtbar-werden-ohne-sich-zu-verbiegen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 07:45:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Susanne Kondziolka-Bloch ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Friedrich W. Bloch GmbH und seit über 30 Jahren in der Versicherungsbranche tätig. 2009 übernahm sie nach dem Tod ihres Vaters das Familienunternehmen. Ihr Fokus liegt auf Familien und Kleinunternehmen, ihr persönliches Steckenpferd ist die Krankenversicherung. 2024 hat sie ihr Buch „Relaxt versichern“ im Goldegg Verlag veröffentlicht – [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://linkedin.com/in/susanne-kondziolka-bloch-184200158">Susanne Kondziolka-Bloch</a> ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Friedrich W. Bloch GmbH und seit über 30 Jahren in der Versicherungsbranche tätig. 2009 übernahm sie nach dem Tod ihres Vaters das Familienunternehmen.</p>
<p>Ihr Fokus liegt auf Familien und Kleinunternehmen, ihr persönliches Steckenpferd ist die Krankenversicherung. 2024 hat sie ihr Buch „Relaxt versichern“ im Goldegg Verlag veröffentlicht – ein persönlicher Meilenstein, einerseits weil sie schon immer ein Buch schreiben wollte, andererseits weil es im Tagesgeschäft ein wirkungsvolles Marketinginstrument ist.</p>
<p><strong>Welche Herausforderungen sehen Sie als Frau, die beruflich im Versicherungs- und Finanzsektor tätig ist, und wie gehen Sie damit um?</strong></p>
<p>Die größte Herausforderung in dieser Branche war für mich persönlich in den ersten Jahren die Unterschätzung. Da fragten Kunden, ob „der Chef“ auch da sei, oder zahlreiche Branchenkollegen: „Bei wem arbeiten Sie?“ Als ob es undenkbar wäre, dass eine Frau selbst die Inhaberin eines Versicherungsmaklerbüros sein kann.</p>
<p>Das war frustrierend, aber auch motivierend. Heute hat sich das komplett gedreht. Man akzeptiert und respektiert mich als Expertin. Kompetenz setzt sich durch – egal, ob man Rock oder Anzug trägt.</p>
<p><strong>Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen in der Branche, und welche Rolle spielen Frauen in diesen Veränderungen?</strong></p>
<p>Zwei Entwicklungen beunruhigen mich derzeit. Zum einen werden immer mehr Maklerbetriebe von Großmaklern aufgekauft. Das ist traurig, weil damit der Individualismus unseres Gewerbes verloren zu gehen droht. Konzerne werden Umsatzzahlen einfordern, der einzelne Maklerbetrieb könnte dadurch stärker unter Druck geraten. Plötzlich zählt womöglich wieder nur der Abschluss, nicht die Beratung. Der Kunde könnte einmal mehr zum Opfer einer Servicewüste werden: Warteschleifen, Ticketsysteme, KI-Stimmen – und niemand kennt mehr seine Geschichte.</p>
<p>Zum anderen ist da die KI. Da kommt noch sehr viel auf uns zu, und grundsätzlich sehe ich das positiv. Viele Betriebe müssen sich digital aber noch ordentlich aufrüsten, sonst bleiben sie auf der Strecke. Selten hat der Satz „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ besser gepasst als jetzt. Und die Überalterung unserer Branche macht mir große Sorge – viele Kollegen haben weder Energie noch Know-how für diese Transformation und oft auch keine Nachfolgeregelung.</p>
<p>Welche Rolle Frauen dabei spielen? Ehrlich gesagt: noch eine zu kleine. Wir sind unterrepräsentiert, gerade in Führungspositionen. Aber genau deshalb müssen wir jetzt sichtbarer werden, uns vernetzen und Vorbilder sein. Damit die nächste Generation sieht: Es gibt Alternativen zu Konzernkarrieren und Umsatzdruck.</p>
<p><strong>Welche Schritte sind Ihrer Meinung nach notwendig, um mehr Frauen in Führungspositionen in der Versicherungs- und Finanzbranche zu sehen – vonseiten der Unternehmen, des Staates und der Frauen selbst?</strong></p>
<p>Unternehmen müssen Erfolg breiter definieren: nicht nur über Abschlusszahlen, sondern auch über Beratungsqualität, Kundenbindung und Weiterempfehlungen. Flexible Arbeitsmodelle sollten Standard sein – keine Extrawurst. Dazu braucht es Gehaltstransparenz. Der Staat ist gefordert, Karenzzeiten nicht zu Karriereknicks werden zu lassen, steuerliche Anreize für..</p>
<p><a href="https://issuu.com/riscontrol/docs/riscontrol_2026_08_ee4f0af95813e5">Lesen Sie mehr in der aktuellen risControl August Print Ausgabe. </a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Finanzdienstleister brauchen Deregulierung</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/08/12/kolumne/finanzdienstleister-brauchen-deregulierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 14:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Neulich war in der Tageszeitung Die Presse ein Interview mit OeNB-Direktor Thomas Steiner und Michael Theurer, Vorstand der deutschen Bundesbank zu lesen. Eine der Kernfragen lautete, ob Europa ein eigenes, vereinfachtes Regime für kleine Banken benötigt. Denn insbesondere kleine Institute beklagen, dass die Regulierung nicht mehr verhältnismäßig sei. Das lässt spontan folgende Frage aufkeimen: Wo [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich war in der Tageszeitung <em>Die Presse</em> ein Interview mit OeNB-Direktor Thomas Steiner und Michael Theurer, Vorstand der deutschen Bundesbank zu lesen. Eine der Kernfragen lautete, ob Europa ein eigenes, vereinfachtes Regime für kleine Banken benötigt. Denn insbesondere kleine Institute beklagen, dass die Regulierung nicht mehr verhältnismäßig sei. Das lässt spontan folgende Frage aufkeimen:</p>
<p><strong>Wo bleibt das Regime für kleine Finanzdienstleister?</strong></p>
<p>Die EU ist weithin bekannt als Regulierungs-Weltmeister. Nicht nur, aber insbesondere im Banken- und Finanzdienstleistungssektor bedroht ausufernde Regulatorik – wie beispielsweise IFR/IFD, DORA, SFDR, EU-Geldwäsche-Bestimmungen und Sanktionsregime – zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit, das Wachstum und damit den langfristigen Erfolg, um nicht zu sagen das wirtschaftliche Überleben. Regelwerke, die im Brüsseler Elfenbeinturm für international agierende Kredit- und Finanzkonzerne entworfen werden, kennen kaum Vereinfachungen für kleine, national tätige Finanzdienstleister wie beispielsweise österreichische Wertpapierfirmen und Wertpapierdienstleistungsunternehmen. Selbst kleinste Unternehmen bis hin zum Ein-Personen-WPDLU unterliegen vielfach Bestimmungen, die auch für Finanzkonzerne mit einer Hundertschaft an Mitarbeitern eine Herausforderung darstellen.</p>
<p><strong>Kein Finanz-Omnibus in Sicht</strong></p>
<p>Beim regulatorisch ebenso vollkommen ausgearteten Thema Nachhaltigkeit rudert die EU-Kommission zurück. Technokratische Regelwerke, die keine entsprechend große Wirksamkeit für Klima und Umwelt haben – wie CSRD, ESRS, EUDR, CSDDD usw. –, werden mit Omnibus-Verordnungen zusammengestutzt. Omnibusse, die MiFID II, IDD bzw. die kommende Retail Investment Strategy RIS oder die ab Juli 2027 geltenden Geldwäsche-Bestimmungen auf ein angemessenes, gesundes Maß zurückführen, sind jedoch nicht in Sicht.</p>
<p><strong>Deregulierung steht in den Sternen</strong></p>
<p>Kleine und kleinste Finanzdienstleister werden sich weiterhin durch hunderte Seiten umfassende Regelwerke kämpfen müssen, die auch die Großen der Finanzbranche zum Schwitzen bringen. Das mag zur Konsolidierung der Branche beitragen, zum Wachstum leider nicht.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vorsorge mit Substanz</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/08/11/kolumne/vorsorge-mit-substanz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 07:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach starken Kursanstiegen bei Technologie- und Halbleiteraktien ist Vorsorge wieder stärker eine Frage des Einstiegspreises. Substanz bedeutet dabei nicht, nur Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis zu kaufen. Entscheidend sind robuste Bilanzen, verlässliche Cashflows, Preissetzungsmacht und zumindest moderates Wachstum. Erst diese Kombination schafft einen Puffer gegen enttäuschte Erwartungen. Bewertung statt Modetrend Der Nasdaq-100 Index lag zwar per [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach starken Kursanstiegen bei Technologie- und Halbleiteraktien ist Vorsorge wieder stärker eine Frage des Einstiegspreises. Substanz bedeutet dabei nicht, nur Aktien mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis zu kaufen. Entscheidend sind robuste Bilanzen, verlässliche Cashflows, Preissetzungsmacht und zumindest moderates Wachstum. Erst diese Kombination schafft einen Puffer gegen enttäuschte Erwartungen.</p>
<p><strong>Bewertung statt Modetrend</strong></p>
<p>Der Nasdaq-100 Index lag zwar per 27. Juli auf Jahressicht noch 20 Prozent im Plus, doch seit Juni könnte sich charttechnisch bereits ein Scheitel gebildet haben. Eine längere Korrekturphase ist nicht mehr auszuschließen, zumal ein Vorläuferindikator, nämlich der Philadelphia Semiconductor Index für Halbleiteraktien, zwischen dem 22. Juni und 27. Juli um 21 Prozent korrigierte. Die restlichen Märkte hat dies aber noch wenig tangiert. Die Korrektur war überfällig, denn per 30. Juni wies der MSCI World Semiconductors and Semiconductor Equipment Index ein KGV von 49,36, ein erwartetes KGV von 23,52 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 17,09 auf. Einzelne Enttäuschungen bei Auftragseingang, Margen oder Investitionsbudgets können auf so einem Bewertungsniveau heftige Ausschläge auslösen. Das spricht nicht gegen Technologie, sondern gegen blinde Konzentration. Ein Wachstumsunternehmen kann attraktiv sein, wenn seine Gewinne schneller steigen als die Bewertung. Umgekehrt wird selbst ein hervorragendes Geschäftsmodell riskant, wenn der Kurs bereits ein nahezu perfektes Szenario vorwegnimmt. Für die Vorsorge ist daher eine Mischung aus breitem Markt, Value, Dividendenqualität und ausgewählten Zukunftsthemen belastbarer als die Jagd nach dem jeweils heißesten Trend.</p>
<p><strong>Value mit Wachstum</strong></p>
<p>Warren Buffett sucht keine statistisch billigen Problemfälle, sondern Unternehmen, deren wirtschaftlicher Wert langfristig wächst und deren Aktien mit Sicherheitsmarge erworben werden können. Der Ansatz ist ein Dauerbrenner, aber kein permanenter Outperformer. Laut Berkshire Hathaway legte der Marktwert der Berkshire-Aktie von 1965 bis Ende 2025 im Durchschnitt um 19,7 Prozent pro Jahr zu, der S&amp;P 500 einschließlich Dividenden um 10,5 Prozent. In einzelnen Jahren und längeren Phasen blieb Berkshire dennoch hinter dem Index zurück. Value verlangt Geduld und funktioniert gerade deshalb nicht wie ein kurzfristiges Handelssignal.</p>
<p>Auch auf Indexebene ist der Bewertungspuffer sichtbar. Der MSCI World Enhanced Value Index kam Ende Juni 2026 auf ein KGV von 15,67, ein erwartetes KGV von 10,97 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,67. Der breite MSCI ACWI war mit einem KGV von 23,64, einem erwarteten KGV von 17,78 und dem 3,86-Fachen des Buchwerts wesentlich teurer. Der Abschlag schützt nicht vor Verlusten, senkt aber die Fallhöhe, sofern Gewinne und Bilanzen stabil bleiben.</p>
<p>Für ein substanzorientiertes Aktienuniversum kommen neben Berkshire Hathaway auch etablierte europäische Dauerläufer infrage. Unilever erwirtschaftet bereits 59 Prozent seiner Umsätze in Emerging Markets. Die Top-5-Märkte sind die USA, Indien, Brasilien, China und UK. Im ersten Halbjahr konnte bei leichtem Umsatzanstieg der freie Cashflow von 1,08 Milliarden auf 1,55 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Analysten erwarten von 2025 bis 2028 ein Wachstum des Gewinnes je Aktie von 9,8 Prozent p.a. (Quelle: MarketScreener).</p>
<p>Nestlé steigerte im ersten Halbjahr 2026 den Umsatz organisch um 3,6 Prozent und erwirtschaftete einen freien Cashflow von 3,38 Milliarden CHF (+46,3 %). Nestlé ist gerade dabei, die Kosten zu senken und mittelfristig ist eine höhere Rentabilität durchaus wahrscheinlich. Beide Konzerne verfügen über globale Marken, müssen aber beweisen, dass Preiserhöhungen nicht dauerhaft zulasten der Absatzmengen gehen.</p>
<p>Die Deutsche Telekom erhöhte 2025 das bereinigte EBITDA nach Leasing um 2,8 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro und schlug eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vor, was in etwa einer Dividendenrendite von 3,6 Prozent entspricht. Allianz steigerte 2025 das operative Ergebnis um 8,4 Prozent auf den Rekordwert von 17,4 Milliarden Euro und die Dividende um elf Prozent auf 17,10 Euro (rund 4 % Dividendenrendite). Telekommunikation und Versicherung sind nicht konjunkturfrei, liefern aber vergleichsweise gut planbare Zahlungsströme.</p>
<p>Lesen Sie mehr in der August Print Ausgabe von risControl.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über das, was der Philosoph Willard Van Orman Quine mit Kurts Garten zu tun hat und strategische Geduld</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/07/31/kolumne/ueber-das-was-der-philosoph-willard-van-orman-quine-mit-kurts-garten-zu-tun-hat-und-strategische-geduld/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2026 03:59:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir sitzen auf Kurts Terrasse in den Gartenstühlen, die wir vor etlichen Wochen abgeschliffen und mit chinesischen Pinseln neu gestrichen haben. Da fällt mein Blick auf ein Buch, das halb verdeckt von einem Strohhut neben mir auf einem freien Gartenstuhl liegt. Irgendwie bin ich neugierig, was Kurt liest, aber weil es sein Eigentum ist, frage [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir sitzen auf Kurts Terrasse in den Gartenstühlen, die wir vor etlichen Wochen abgeschliffen und mit chinesischen Pinseln neu gestrichen haben. Da fällt mein Blick auf ein Buch, das halb verdeckt von einem Strohhut neben mir auf einem freien Gartenstuhl liegt. Irgendwie bin ich neugierig, was Kurt liest, aber weil es sein Eigentum ist, frage ich ihn um Erlaubnis, bevor ich meine Hand nach dem Buch austrecke.</p>
<p>„Nur zu“, meint Kurt gut gelaunt, „aber Vorsicht, die Kost ist nicht leicht.“</p>
<p>Ich greife nach dem Buch: <em>Willard Van Orman Quine</em> ist der Autor und der Buchtitel lautet: <em>Die Wurzeln der Referenz.</em></p>
<p>„Puh“, sage ich nach einem längeren Blick in das Buch, „tatsächlich eher anspruchsvoll. Ich wusste gar nicht, dass du dich auch mit Sprachphilosophie befasst.“</p>
<p>„Früher, ja“, erwidert Kurt, „aber jetzt ist das Buch eher eine Erinnerung an meinen ersten PC, den ich rund um 1990 gekauft habe. Es war ein XT mit 5 ¼ Zoll Disketten-Laufwerk, den ich <em>Willard </em>nannte &#8211; frei nach Willard Van Orman Quine, der nicht nur als Philosoph Bekanntheit erlangte, sondern auch als Mathematiker und Logiker wichtige Beiträge lieferte. Überhaupt war Quine ein sehr bedeutender Denker des 20. Jahrhunderts.“</p>
<p>„Okay“, sage ich, „ich nehme an, dass du dir einen neuen, besonders tollen PC gekauft hast, den du wiederum <em>Willard </em>nennst. Richtig?“</p>
<p>Kurt lächelt. „Fast richtig, aber nicht ganz. Komm mit, ich zeig ihn dir.“</p>
<p>Wir stehen auf, gehen die paar Stufen von der Terrasse in den Garten und wenden uns nach rechts.</p>
<p>„Da“, sagt Kurt, „hier ist mein neuer Willard!“</p>
<p><em>„Ein Mähroboter …“</em> Ich bin echt erstaunt und umkreise das gar nicht so kleine Gerät, das in einer Art Garage geparkt ist. „Ich wusste nicht, dass du dich für Mähroboter interessierst und … Himmel, der ist ja von <em>Segway.</em> Also ehrlich, bei deinen wiederholt kritischen Tönen gegenüber der US-Politik im Allgemeinen und der einen ganz speziellen Person im Besonderen … du weißt schon, wen ich meine, wundert es mich, dass du dir einen Segway zugelegt hast. Ich weiß nicht, ob Huawei, Hisense oder Lenovo Mähroboter herstellen, aber ich hätte gedacht, dass du eher in diese Richtung denkst.“</p>
<p>Kurt lacht. „Offenbar bist du nicht ganz auf dem Laufenden. Segway, das mit seinen selbstbalancierenden Stehrollern weltbekannt wurde, gehört seit über 10 Jahren einem chinesischen Unternehmen namens <em>Ninebot.</em> Natürlich mit ein bisschen Kapital von Xiaomi im Hintergrund. Aber das weiß ich auch nur deswegen, weil ich im Vorfeld über Mähroboter gründlich recherchiert habe. Und jetzt guck mal.“ Kurt nimmt sein Smartphone zur Hand und startet eine App. „Ich habe meinen Garten in 4 Zonen mit unterschiedlicher Schnitthöhe eingeteilt – und jetzt lassen wir Willard mal die Zone 1 bearbeiten.“</p>
<p>Willard verlässt die Garage und nach kurzem Nachdenken beginnt er innerhalb der von Kurt festgelegten Grenzen zu mähen. Erstaunlich leise und erstaunlich präzise.</p>
<p>„Nur die Ränder muss ich jetzt noch nacharbeiten“, erklärt Kurt, während wir wieder auf die Terrasse zurückkehren und uns setzen. „Aber das ist bei fast allen Mährobotern der Fall. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem neuen Willard.“</p>
<p>Wir betrachten eine Weile schweigend den Mähroboter bei seiner Arbeit.</p>
<p>Schließlich sagt Kurt: „Weißt du, es gibt schon Leute, die mich für meine Zuwendung an China kritisieren, wegen dessen autoritärem Regime und so weiter, aber seien wir mal ehrlich: Wer hat sich aufgeregt, während wir im Westen unsere Produktion nach China nicht nur bedenkenlos, sondern auch staatlich gefördert verlagert haben und aus <em>Made in Germany</em> schlichtweg <em>Designend in Germany</em> oder <em>Designend in EU</em> wurde? Ich erinnere mich auch an das Tiananmen-Massaker in Peking im Jahre 1989. Wurde danach das Investitionsverhalten der großen Konzerne der sogenannten Goldenen Milliarde gebremst? Das Internet sagt: ja, aber nur sehr kurz. Geld ist eben dicker als Blut. Und wenn du heute in einen Baumarkt gehst und alle Produkte die <em>Made In China</em> sind, obwohl bekannte westliche Firmen sie als ihre anpreisen, wären die Regale ziemlich leer.“</p>
<p>Kurt geht in die Küche und kehrt mit einer Flasche eisgekühltem Mineralwasser zurück, und während er die Gläser befüllt, sagt er: „Es gibt auf dieser Welt circa 200 verschiedene Länder, ich meine Staaten − kommt darauf an, wer wie zählt; aber die Größenordnung stimmt. Und von jedem Land, sei es groß oder klein, arm oder reich und auch unabhängig davon, ob es gerade verteufelt oder wie wild sanktioniert wird, können wir etwas lernen.“</p>
<p>„Okay, uns was lernen wir von China? Darauf willst du ja hinaus, richtig?“</p>
<p>„Was wir von China lernen können, ist hauptsächlich eines: <em>Strategische Geduld.“ </em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>EU-Rat will PEPP wiederbeleben</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/07/30/kolumne/eu-rat-will-pepp-wiederbeleben-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jul 2026 17:23:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Pan-European Personal Pension Product PEPP ist ein 2019 eingeführtes, EU-weites freiwilliges Altersvorsorgeprodukt, das bestehende staatliche und betriebliche Rentensysteme sowie nationale private Altersvorsorgesysteme ergänzen kann. Oder besser gesagt ergänzen sollte. Denn das von der Politik ersonnene Produkt fristet aufgrund mehrerer Konstruktionsfehler ein veritables Schattendasein. Die EIOPA (EU-Versicherungsaufsicht) führt auf ihrer Internetseite gerade einmal zwei (!) [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Pan-European Personal Pension Product PEPP ist ein 2019 eingeführtes, EU-weites freiwilliges Altersvorsorgeprodukt, das bestehende staatliche und betriebliche Rentensysteme sowie nationale private Altersvorsorgesysteme ergänzen kann. Oder besser gesagt ergänzen sollte. Denn das von der Politik ersonnene Produkt fristet aufgrund mehrerer Konstruktionsfehler ein veritables Schattendasein. Die EIOPA (EU-Versicherungsaufsicht) führt auf ihrer Internetseite gerade einmal zwei (!) Anbieter von PEPP-Produkten.</p>
<p><strong>Wiederbelebung</strong></p>
<p>In einer Pressemitteilung vom 24. Juni 2026 teilt der EU-Rat mit, dass er PEPP mit einer Überprüfung der Rahmenbedingungen für Sparer attraktiver, zugänglicher und einfacher gestalten möchte. Bestehende Anforderungen und Gestaltungsmerkmale, die die Akzeptanz des PEPP bisher behindert haben, sollen beseitigt werden. Das hohe Maß an Verbraucherschutz soll gewährleistet bleiben. „Bei richtiger Nutzung haben EU-weite Altersvorsorgesysteme das Potenzial, die Anlagemöglichkeiten für den Ruhestand zu erweitern und gleichzeitig Kapital in die breitere, produktive Wirtschaft zu lenken“, gibt sich <em>Makis Keravnos</em>, Finanzminister der Republik Zypern, überzeugt.</p>
<p><strong>Konstruktionsfehler beseitigen</strong></p>
<p>Bei Basis-PEPP soll die Pflicht zum Anbieten einer Anlageberatung aufgehoben werden, Beratungen sollen nur mehr auf Wunsch der Kunden erfolgen. Dies sei entscheidend, um Basis-PEPPs zu reinen Ausführungsgeschäften zu machen, die online vertrieben werden können. Fruchtet diese Idee, könnten PEPPs zur starken Konkurrenz klassischer Pensionsvorsorge-Berater werden.</p>
<p>Die Gebührenobergrenze von einem Prozent p.a. soll aufgehoben werden, da sie derzeit die wirtschaftliche Rentabilität für Anbieter – und die Attraktivität für den Versicherungsvertrieb – massiv einschränkt. Weiters sollen Anlagebeschränkungen aufgeweicht werden, um Basis-PEPPs flexibler zu machen.</p>
<p><strong>Geduld gefragt</strong></p>
<p>Die Überarbeitung der lebenden Leiche PEPP zieht sich seit Jahren wie Kaugummi dahin. Erst 2027 soll es das überarbeitete PEPP geben. Ob sich Anbieter, Anleger und Vermittler dann mehr dafür interessieren als in der Vergangenheit, bleibt abzuwarten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Lachen nicht verlernen</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/06/15/kolumne/das-lachen-nicht-verlernen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 14:46:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Über den Halbmarathon in Budweis, schwer bewaffnete Polizisten, blutige Käfigkämpfe und warum wir das Lachen nicht verlernen sollten Es ist am ersten Wochenende im Juni und dem letzten vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft, dem größten Sportereignis des Jahres, das dieses Mal in drei Ländern (Kanada, Mexiko und USA) ausgetragen wird, als ich Kurt die Videos und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Über den Halbmarathon in Budweis, schwer bewaffnete Polizisten, blutige Käfigkämpfe und warum wir das Lachen nicht verlernen sollten</strong></p>
<p>Es ist am ersten Wochenende im Juni und dem letzten vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft, dem größten Sportereignis des Jahres, das dieses Mal in drei Ländern (Kanada, Mexiko und USA) ausgetragen wird, als ich Kurt die Videos und Fotos zeige, die ich Tage zuvor vom Halbmarathon in Budweis gemacht habe, an dem meine Nichte Henrietta teilgenommen hat.</p>
<p>„Sehr schön“, sagt Kurt, „wirklich sehr schön“, während er die Bilder betrachtet. „Und das da ist deine Nichte nehme ich an, richtig?“</p>
<p>„Bist du ihr noch nie begegnet“, frage ich ihn.</p>
<p>„Nein, zumindest nicht wissentlich, aber ich finde sie sehr sportlich und sympathisch.“</p>
<p>„Sensationell gut fand ich übrigens die Streckenführung“, erkläre ich weiter. „Start und Ziel des Laufes war der Hauptplatz von Budweis, der Přemysl-Otakar-II.-Platz, wie er dort genannt wird, auf den ich von meinem Hotelzimmer einen direkten Blick hatte. Die Route ging teilweise durch die Altstadt und dann ein bisschen raus und wieder zurück, aber die Absperrungen waren nicht so heftig und massiv wie beim City-Marathon in Wien, wie mir Henrietta versicherte, die auch diesen Lauf absolviert hat. Ein tischhohes Gitter entlang der Strecke, die vorbei an den gut besuchten Gastgärten der diversen Cafés und Restaurants führte, hat den Verantwortlichen in Budweis genügt.“</p>
<p>„Ja,“, nickt Kurt, „diesen City-Marathon in Wien habe ich zufällig auch gesehen. Die Absperrungen im Zielbereich, also im Bereich vom Rathaus und Burgtheater, waren echt monstermäßig, als würde man die Läufer vor einem Ansturm wüster Fußball-Rowdys schützen wollen oder die Zuschauer vor dem Absturz in einen gefährlich reißenden Fluss.“</p>
<p>„Nun, der Lauf in Budweis ist um vieles kleiner als der in Wien, was die Teilnehmeranzahl betrifft, aber die Tschechen gehen offenbar etwas entspannter mit derartigen Events um. Außerdem ist Österreich anders: Ein Heer von Staatsdienern verwaltet uns bestens bis in die kleinsten Aspekte unseres Lebens hinein, wir sind international Spitze beim Umverteilen von Steuergeldern und für jeden möglichen Schadensfall haben wir mindestens drei verschiedene Sicherheitsnetze und ein paar Hosenträger extra, falls alle Stricke reißen.“</p>
<p>Ich blättere am Laptop weiter durch die Fotos vom Halbmarathon in Budweis, gebe Erklärungen ab, verweise auf das Restaurant, wo wir zu Mittag gegessen haben (das übrigens direkt an der Laufstrecke lag) und lobe die moderaten Preise der Gastronomie, von denen wir in Österreich nur noch träumen können.</p>
<p>Plötzlich wirkt Kurt sehr ernst, als ob ihn etwas, das er auf den Fotos gesehen hat, alarmiert hätte.</p>
<p>„Was ist?“, frage ich, „stimmt etwas nicht?“</p>
<p>„Geh nochmal zurück, das Foto davor – nein, noch eines weiter. Ja, hier …!“</p>
<p>„Was denn?“ Ich schaue konzentriert auf das Foto, aber ich vermag nichts Besonderes zu erkennen; ich sehe nur Impressionen von einem gut organisierten sportlichen Ereignis.</p>
<p>„Da sind ja Polizisten“, sagt Kurt leise und atmet tief durch.</p>
<p>„Selbstverständlich sind da auch Polizisten“, erwidere ich. „Wie bei jeder größeren Veranstaltung sind auch hier Polizisten im Einsatz.“</p>
<p>„Kannst du das vergrößern?“</p>
<p>„Was genau?“</p>
<p>„Verzeih, darf ich kurz …“</p>
<p>„Ja, natürlich“, ich überlasse Kurt meine Computermaus Made in Suzhou, China, die ich bei uns im Weinviertel gekauft habe, um den lokalen Handel zu unterstützen.</p>
<p>Kurt vergrößert einen Bildausschnitt mit zwei tschechischen Polizisten; dann zeigt er auf sie und sagt: „Siehst du nicht, was ich sehe?“</p>
<p>„Nein, nicht wirklich …“ Instinktiv beuge ich mich vor, um besser zu sehen.</p>
<p>„Wahnsinn“, sagt Kurt, „die Polizisten tragen keine kugelsicheren Westen und sind auch nicht bis an die Zähne schwer bewaffnet: keine Sturmgewehre, keine Schrotflinten, keine extra Reservemunition für ein längeres Feuergefecht. Auch sind sie nicht vermummt und sie haben auch keine vernünftigen Autos in Bereitschaft. Ich denke an gepanzerte Humvees, leistungsstarke SUVs der Marken Chevrolet oder Dodge − und nicht ein einziger <em>Ford F150 Raptor</em> in der <em>Trump-Edition</em> mit einem 5-Liter-V8 Motor ist auf den Fotos zu sehen. Und dort im Hintergrund, der Polizist da, unterhält sich offenbar ziemlich entspannt mit einer Passantin, statt dass er Ausschau nach gefährlichen Verbrechern, entflohenen Geisteskranken und grimmigen Terroristen hält! Gott behüte, dass der IS wieder zuschlägt! Oder noch schlimmer: Es könnten sich illegale Migranten als scheinbar harmlose Sportinteressierte unter die Menge gemischt haben und wer weiß was planen. Außerdem hat keiner von diesen Polizisten die tschechische Übersetzung von ICE auf dem Rücken stehen. Mann o Mann, ob diese Sorglosigkeit in Tschechien wohl gut gehen wird?“ Kurt lehnt sich zurück und grinst mich an.</p>
<p>„OK, ich weiß, worauf du anspielst.“</p>
<p>„Wird gewiss spannend diese Fußball-WM“, fährt Kurt fort, „sportlich, politisch und überhaupt − ja, und vielleicht gibt’s ja auch was zu lachen …“</p>
<p>„Also ich weiß nicht, ich finde das, was der alte Mann, der sich jetzt sogar blutige Käfigkämpfe vor seiner Residenz einbildet, <em>du weißt schon, wen ich meine,</em> in letzter Zeit abzieht, ganz und gar nicht amüsant.“</p>
<p>„Ich stimme zu“, sagt Kurt. „Es gibt Dinge, die nur schwer bis gar nicht zu ertragen sind und sich darüber lustig zu machen, verbietet uns die Menschenwürde. Aber es gibt auch vieles, das wir uns leichter machen können, indem wir es nicht ernst nehmen und darüber lachen. Hast du einen persönlichen Favoriten für die WM?“</p>
<p>„Nein“, sage ich, „aber ich fände es ziemlich cool, wenn die Mannschaft des Iran in Finale kommen würde.“</p>
<p>Kurt lacht. „Das wäre gewiss ein Heidenspaß, wird aber nicht passieren. Denn sollte diese ‚Schmach‘ tatsächlich drohen, werden verlässlich alle iranischen Spieler mitsamt dem Trainer unter Terrorverdacht verhaftet und nach Guantanamo geschickt.“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Software gets eaten itself</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/06/05/kolumne/software-gets-eaten-itself/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 03:11:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[„Software is eating the world“: Diesen Ausspruch tätigte Marc Andreessen im Jahr 2011. Und er sollte recht behalten, hat sich die relative Gewichtung von Software-Unternehmen in globalen Indizes in den 15 Jahren seither doch mehr als verdoppelt. Stabiles überdurchschnittliches Wachstum und Skalierbarkeit waren zwei der Haupttreiber, wofür die Software-Riesen bei Investoren geliebt wurden. Doch die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Software is eating the world“</em>: Diesen Ausspruch tätigte Marc Andreessen im Jahr 2011. Und er sollte recht behalten, hat sich die relative Gewichtung von Software-Unternehmen in globalen Indizes in den 15 Jahren seither doch mehr als verdoppelt. Stabiles überdurchschnittliches Wachstum und Skalierbarkeit waren zwei der Haupttreiber, wofür die Software-Riesen bei Investoren geliebt wurden. Doch die letzten Monate waren von Liebesentzug gekennzeichnet. KI und insbesondere agentische KI stellen das SaaS-Geschäftsmodell (software as a service) in der aktuellen Form infrage. Ich bin der Meinung, dass wir es tatsächlich mit einem Wendepunkt zu tun haben könnten. Was mich zu diesem Schluss kommen lässt, ist unter anderem Peter Steinbergers OpenClaw. In den letzten sechs Wochen haben wir die open-source software getestet und glauben, dass sie einen Blick in die KI-Zukunft offenbart. In eine Zukunft, die nichts Gutes für Software-Giganten verheißt.</p>
<p>Dabei ist – wie so oft bei Krisen – KI nur der Auslöser, der eine bereits zuvor bestehende Schwäche schonungslos offenlegt. Denn die großen Tech-Konzerne sind innovationsträge geworden. Es ist symptomatisch, dass agentische KI von Einzelentwicklern wie Peter Steinberger oder vergleichsweise kleinen Häusern (wie Manus aus China) kommt und nicht von den Labs der Tech-Giganten. KI ist bereits heute in der Lage software zu schreiben und sie wird diese Fähigkeit weiter ausbauen. KI ist auch in der Lage Software zu verwenden – oftmals weit effizienter als dies menschliche Nutzer könnten. Damit drohen LLMs ganz nebenbei das Geschäftsmodell der Big-Tech-Softwarehäuser aufzufressen.</p>
<p><strong>Asien als Hauptprofiteur</strong></p>
<p><em>Silicon Valley</em> hat mit Silizium-Transistoren und der tatsächlichen Produktion von Mikroprozessoren schon lange nichts mehr zu tun. Dieser Teil des Geschäfts wurde über Jahre und Jahrzehnte in Länder ausgelagert in denen günstiger gefertigt werden konnte. Die längste Zeit eine logische und margenerhöhende Maßnahme, lag der Gewinntreiber doch in nahezu beliebig skalierbarer Software. Doch dieser outsourcing-Trend könnte sich nun rächen. Einerseits weil die Unternehmen – in den vormals als Billiglohnländer bezeichneten Staaten &#8211; das Produktions-Know-How nicht nur übernommen, sondern dieses auf ein völlig neues Level geführt haben. Es hat einen Grund warum TSMC die anspruchsvollsten Prozessoren (3 und 2 Nanometer-Fertigung) fast ausschließlich an den taiwanischen Standorten in Hsinchu und Kaohsiung baut und nicht etwa in Arizona. Andererseits weil es im digitalen Zeitalter (mit)entscheidend ist, wer Hardware (und Energie!) erzeugen kann. Die geopolitische Komponente dieser (Macht)verschiebung ist evident.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wir glauben den ersten Akt der „Revanche des Physischen“ zu erleben. KI bringt Software (und andere digital dominierte Branchen) in Bedrängnis aber sie braucht ihrerseits (viel!) compute/Prozessorkapazität. Und wer kontrolliert die Hardware-Supply-Chain? Wo lassen Apple, Nvidia &amp; Co produzieren? Wo kommen DRAM, Flash und HBM-Speicher her? Mehrheitlich aus Asien, vor allem aus Taiwan und Südkorea. Unsere These ist, dass das Narrativ der „Software-Dominanz“ abgelöst wird und dass Asien ein Hauptprofiteur dieses Trends ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sonne, Strand, Meer und Beton</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/05/28/kolumne/sonne-strand-meer-und-beton/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 14:26:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Über eine Reise nach Montenegro, Sonne, Strand, Meer und Beton und die tiefe Einsicht in das menschliche Dasein eines New Yorker Taxifahrers Ende April dieses Jahres ist es so weit: Thomas und ich reisen nach Montenegro, nachdem wir unseren ursprünglichen Plan (Urlaub in Aserbaidschan) um ein Jahr verschoben haben. Der Flug nach Podgorica ist kurz, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Über eine Reise nach Montenegro, Sonne, Strand, Meer und Beton und die tiefe Einsicht in das menschliche Dasein eines New Yorker Taxifahrers</strong></p>
<p>Ende April dieses Jahres ist es so weit: Thomas und ich reisen nach Montenegro, nachdem wir unseren ursprünglichen Plan (Urlaub in Aserbaidschan) um ein Jahr verschoben haben. Der Flug nach Podgorica ist kurz, angenehm und sehr pünktlich. Mit dem Taxi geht es dann weiter nach Becici, einen Vorort von Budva, wo unser Hotel liegt. Zimmer mit Meerblick! Ja, das ist uns von Anfang an sehr wichtig gewesen: <em>Sonne, Strand und Meer!</em> Die alte, aber noch immer gute Devise für diesen Trip.</p>
<p>Doch es gibt hier auch viel Beton. Während unseres Aufenthaltes sehen wir mindestens ein paar Dutzend größere, um nicht zu sagen <em>gröbere </em>Baustellen, meist irgendwelche Wohn- oder Hotelbauten; dazu kommen einige Hotelruinen, Bauten, die nicht fertig gestellt wurden, aber auch nicht abgerissen werden und jetzt die Landschaft verunstalten.</p>
<p>Kurt spricht gleich am ersten Tag davon, seine Strandsammlung mit Sand aus Montenegro zu ergänzen. Aber Sand vom Strand mitzunehmen, ist, wie ich unlängst gelesen habe, verboten und kann, wenn man erwischt wird, ziemlich teuer werden. „Naturschutz und so weiter“, erkläre ich ihm die rechtliche Situation, die darauf abziele, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten.</p>
<p>Kurt versteht das überhaupt nicht. „Ökologisches Gleichgewicht?“, er runzelt die Stirn. „Ha, guck dir nur all diese Baustellen da an und selbst hier, nicht <em>am Strand</em>, sondern direkt <em>im Sand des Strandes</em>, betonieren sie gerade ein Fundament von mindestens 100 m², keine Gehminute von uns entfernt. Und dann reden sie von ökologischem Gleichgewicht. Außerdem gibt es hier kein einziges Windrad …“</p>
<p>„Gewiss haben sie einige Windränder, nur eben nicht hier“, versuche ich zu beschwichtigen.</p>
<p>„Möglich, ja, was ohnedies besser ist, denn so schön sie auch wieder nicht. Und Fahrradfahrer gibt es hier auch so gut wie keine; mehr als 5 habe ich noch nicht gezählt. Hier gibt es mehr gutmotorisierte Autos mit russischen Kennzeichen als Radfahrer.“</p>
<p>Ich stimme zu. „Guter Vergleich!“, denn tatsächlich habe auch ich nur 5 Radfahrer und immerhin 7 russische Autos gezählt. Dann lachen wir gemeinsam und das Thema ist zu Ende.</p>
<p>In diesen Tagen sind wir viel mit dem Bus unterwegs, meist die Küste entlang, doch von Kotor, das allgemein als der schönste Ort Montenegros gilt, sind wir ein wenig enttäuscht. Gewiss, die Altstadt und die mittelalterliche Befestigungsanlage sind wunderschön, aber die Idylle, die wir uns etwas naiv erwartet haben, finden wir nicht. Ein Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen und die Menschen strömen durch die schmalen Gassen.</p>
<p>Von Cetinje, der auf halben Weg nach Podgorica gelegenen alten Hauptstadt von Montenegro hingegen sind wir hellauf begeistert. Hier gehen die Uhren tatsächlich anders und das Leben ist unglaublich entspannt.</p>
<p>Am letzten Tag unseres Urlaubes gehen wir wieder zum Stand. Nach einer Weile des Schweigens, während wir das klare, blaue Meer betrachten und dem sanften Geräusch der Wellen lauschen, beginnt Kurt umherzuspähen. Schließlich sagt er: „Wir haben heute diesen hoteleigenen Strand fast für uns alleine – mit uns sind da jetzt 10 oder 12 Leute, vielleicht 15, wenn man die paar Arbeiter dort hinten dazuzählt. Und jetzt frage ich mich, wie es hier in der Hochsaison zugeht. Wie viele Leute werden dann wohl an diesem Strandabschnitt in der Sonne braten und sich von den Anstrengungen der nächtlichen Partys erholen?“</p>
<p>„Weiß nicht so genau“, ich zucke mit den Schultern, „aber es werden viele sein. Unser Hotel hat über 200 Zimmer und, nun ja, so 400 bis 500 Menschen werden sich an einem Spitzentag hier schon drängen. Man muss ja nur die freien Liegen da abzählen und dann gibt’s dort drüben noch eine beachtliche Menge in Reserve, die noch gar nicht aufgestellt wurden. Ich glaube, ich möchte dann nicht hier sein.“</p>
<p>„Du glaubst?“, sagt Kurt und lacht. „Ich bin mir sicher, totsicher, dass ich in der Hauptsaison nicht hier sein möchte. Schon zum Frühstück Animation und dann Party ohne Ende bis zur Erschöpfung mit lauter superlustigen Leuten. Ich konnte dem Ballermann noch nie etwas abgewinnen, selbst als ich noch sehr jung war.“</p>
<p>„Tja, jedem das seine“, erwidere ich, „das ist gelebte Demokratie. Die einen, wie wir, suchen Ruhe und das ursprüngliche Land bzw. das, was davon übriggeblieben ist; die anderen mögen es heiß, laut und intensiv und baden gerne in der Menge.“</p>
<p>„Ja, ja, in der Menge baden“, sagt Kurt nachdenklich, „und neue Leute kennen lernen“, und plötzlich kommt wieder einer von seinen unerwarteten Gedankensprüngen: „Du kennst doch den Film <em>Driven to Kill</em> mit Steven Seagal?“</p>
<p>„Ja, du hast mir vor einiger Zeit die DVD geborgt. Wieso?“</p>
<p>„Seagal spielt in <em>Driven to Kill</em> einen ehemaligen Auftragskiller der russischen Mafia namens Ruslan, der nach vielen Jahren nach New York zurückkehrt, um an der Hochzeit seiner Tochter teilzunehmen …“</p>
<p>„Und hinterher ein ziemliches Blutbad anrichtet, oder?“</p>
<p>„Ja, aber darauf will ich jetzt gar nicht hinaus“, sagt Kurt. „In dem Film gibt es eine Szene, die mir sehr lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Seagal, also Ruslan, kommt in New York an und fährt mit einem Taxi in sein Hotel. Der Taxifahrer fragt Ruslan: <em>„Kalifornien?“</em> Ruslan antwortet: <em>„Sieht man das?“</em> Darauf der Taxifahrer: <em>„Viel zu viel Sonne und zu wenig Mietskasernen. Wenn man nicht zwischen genug Leuten eingepfercht ist, lernt man kein Aas kennen.“</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reichensteuer auf Immobilien</title>
		<link>https://riscontrol.at/2026/04/20/kolumne/reichensteuer-auf-immobilien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Doris Wrumen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 04:18:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer dann, wenn dem Staat das Geld ausgeht – genauer gesagt: wenn der Staat sehr viel Geld einnimmt, aber noch viel mehr Geld ausgibt – sucht er verzweifelt nach neuen Einnahmequellen. So sicher wie das Amen im Gebet erschallt dann der Ruf nach Vermögenssteuern. Sie gelten jedoch als ineffizient, bringen wenig ein und schaden dem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer dann, wenn dem Staat das Geld ausgeht – genauer gesagt: wenn der Staat sehr viel Geld einnimmt, aber noch viel mehr Geld ausgibt – sucht er verzweifelt nach neuen Einnahmequellen. So sicher wie das Amen im Gebet erschallt dann der Ruf nach Vermögenssteuern. Sie gelten jedoch als ineffizient, bringen wenig ein und schaden dem Standort. Nicht umsonst wurden sie in vielen Länder abgeschafft. Neuerdings erteilen sogar Ökonomen Vermögenssteuern eine Absage. Mit einer Ausnahme.</p>
<p><strong>Es gibt schon „Reichensteuern“</strong></p>
<p>Die Möglichkeiten, sein Arbeitseinkommen, das Ersparte, seine Immobilien usw. vor den vielarmigen Steuerkrake in Sicherheit zu bringen, wurden mehrheitlich abgeschafft. Einkommensteuer, Kapitalertragsteuer, Körperschaftssteuer, Immobilienertragsteuer usw. sind quasi lückenlose Reichensteuern: Wer mehr hat (Geld, Immobilien, Wertpapiere, Autos usw.), zahlt auch mehr Steuer. Mit der Größe des Lochs im Staatshaushalt wachsen jedoch auch die Begehrlichkeiten der Finanzminister.</p>
<p><strong>„Vermögenssteuer nicht effizient“</strong></p>
<p>Im Auftrag der deutschen Bundestagsfraktion Die Linke hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW Aufkommens- und Verteilungswirkungen von Vermögenssteuern untersucht. Die entscheidende Frage laute nämlich nicht, wie viel eine Vermögensteuer auf dem Papier erzielen könnte, sondern wie viel sie in der Realität einbringt – und zu welchem Preis. Denn nationale Vermögensteuern lösen oft spürbare Ausweichreaktionen aus, von Steuervermeidung bis hin zur Verlagerung von Vermögen und teils auch des Wohnsitzes ins Ausland.</p>
<p><strong>Besteuern, was nicht flüchten kann</strong></p>
<p>Für die linken Ökonomen des DIW stellt das konsequente Besteuern von Immobilien – Stichwort Grundsteuer – sowie von Immobiliengewinnen die Lösung für leere Staatskassen dar. „Immobilien können nicht einfach ins Ausland verlagert werden.“, schreibt Marcel Fratscher, Präsident des DIW, in seinem Blog. Man sollte weniger über neue Steuern reden, die schlecht funktionieren, und mehr über jene, die bislang viel zu zaghaft genutzt werden, fordert er.</p>
<p>Kein Wort verliert der DIW-Präsident jedoch darüber, dass höhere Grundsteuern auf die Betriebskosten umgelegt werden und damit von der Reichensteuer zur Massensteuer werden.</p>
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