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Geschäftsmodell am Abgrund

Creditreform/ Sun Contracting Gruppe

Der staatlich Gläubigerschutzverband Creditreform informiert über die jüngsten Entwicklungen im Insolvenzfall der Sun Contracting Gruppe. Das komplexe Firmengeflecht, das in Liechtenstein, Österreich und Deutschland operiert, steht vor einer langwierigen Abwicklung. Während in Liechtenstein Verfahren über die Konzernmutter (Sun Contracting AG) und die Finanzierungstochter (Sun Invest AG) laufen, zeichnet sich bei den österreichischen Töchtern ein dramatisches Bild ab.

Das Geschäftsmodell am Abgrund

Kern des Unternehmens war das „PV-Contracting“: Die Gruppe pachtete Flächen, um darauf Photovoltaikanlagen zu errichten. Die Finanzierung basierte massiv auf Anlegerkapital – rund 12.700 Anleihen wurden begeben. Insgesamt soll die Gruppe bis zu 250 Mio. Euro eingesammelt haben. Aktuell liegen bereits über 6.000 Forderungsanmeldungen vor.

In den aktuellen Konkurstagsatzungen der fünf betroffenen österreichischen Gesellschaften zeigt sich eine enorme Diskrepanz zwischen angemeldeten und anerkannten Forderungen. Viele Anlegeransprüche wurden aufgrund vertraglicher Nachrangigkeitsklauseln oder falscher Adressierung innerhalb des Konzerns bestritten.

Den höchsten Betrag an Forderungen verzeichnet die Sun Contracting Engineering GmbH mit angemeldeten 36,59 Mio. Euro, wovon bisher lediglich rund 7,29 Mio. Euro anerkannt wurden. Es folgt die Sun Contracting Austria GmbH, bei der Gläubiger Ansprüche in Höhe von rund 24,03 Mio. Euro geltend machten; hier stehen aktuell jedoch nur anerkannte Forderungen von 94.597,84 Euro gegenüber.

Auch bei der Sun Contracting Projekt GmbH klafft eine weite Lücke zwischen den angemeldeten 18,93 Mio. Euro und den tatsächlich anerkannten 324.024,87 Euro. Im Fall der Sun Contracting Solutions GmbH belaufen sich die Forderungsanmeldungen auf rund 8,44 Mio. Euro, wovon bisher 546.155,95 Euro bestätigt wurden. Vergleichsweise geringer, aber dennoch signifikant, stellt sich die Situation bei der Sun Contracting Norica Plus GmbH dar: Hier stehen angemeldeten Forderungen von knapp 2,99 Mio. Euro anerkannte Ansprüche in Höhe von lediglich 93.751,05 Euro gegenüber.

Zusätzlich zu diesen Werten aus den Tochtergesellschaften belaufen sich die Verbindlichkeiten der Sun Invest AG gegenüber ihren Anleihegläubigern auf etwa 1,06 Mio. Euro.  Die Gläubigerseite spart nicht mit Kritik: Es werden Vorwürfe der bewussten Täuschung und mangelnden Transparenz erhoben. Im Fokus steht dabei auch die Green Finance Gruppe, die als Hauptvertriebspartnerin der Finanzprodukte fungierte.

Ein Sanierungsplan wurde bisher in keinem der Verfahren eingebracht; lediglich bei der Sun Contracting Norica Plus GmbH ist ein solcher nicht gänzlich ausgeschlossen. Experten rechnen aufgrund der internationalen Verflechtungen und laufender strafrechtlicher Ermittlungen mit einer jahrelangen Verfahrensdauer.

 

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