Im Jahr 1990 stammte ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie, heute sind es nur noch knapp 15 Prozent. „Diese Verringerung des Anteils der Kernenergie war eine bewusste Entscheidung, und ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren.“ Mit diesem Eingeständnis erstaunte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede beim Kernenergie-Gipfel am 10. März 2026. Diese Aussage stellt eine Abkehr von der europäischen „grünen“ Energiepolitik dar. Gleichzeitig bedeutet sie einen veritablen Super-GAU (Größter anzunehmender Unfall) für Europas Grünen Deal, der den Ausbau erneuerbarer Energiequellen die wesentliche Rolle zuwies. Auch die EU-Taxonomie gerät ins Wanken, denn sie stuft Atomkraft nur unter ganz bestimmten, strengen Bedingungen als nachhaltig ein.
Europas hohe Energie- und Strompreise sind nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Privathaushalte ein wachsendes Problem. Lange Zeit, als der europäische Fokus auf Von der Leyens Prestigeprojekt Grüner Deal lag, wurde die Energiewende – koste es was es wolle – auf Nachhaltigkeit getrimmt. Mit der Erkenntnis, dass „bezahlbarer Strom das Fundament für die Industrien der Zukunft“ bildet und dem gemeinsamen Nennen von Kernenergie und erneuerbaren Energien, kehrt die Kommissionspräsidentin der grünen Ideologie augenscheinlich den Rücken und findet zurück in die Lebensrealität.
Plötzlich gelten Kerntechnologien nicht mehr als verpönt und gefährlich, sondern als CO2-arm und sicher. Private Investitionen in innovative Kerntechnologien, wie beispielsweise modulare Reaktoren, will die EU mit Garantien in der Höhe von 200 Millionen Euro unterstützen. Das ist angesichts der Milliardenbeträge, die große Stromverbraucher wie die globalen Tech- und IT-Riesen investieren, wenig, aber immerhin ein erster Schritt.



