©Sabine Klimpt
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Fachtagung Unfallversicherung

GVfW

Die Fachtagung Unfallversicherung der Österreichischen Gesellschaft für Versicherungsfachwissen (GVfW) zeigte die Sparte in einem größeren Zusammenhang aus Demografie, Medizin, Statistik, Markt, Judikatur und Prävention. Schon das Programm machte deutlich, dass es nicht nur um Produkte und Bedingungen ging, sondern um die Frage, wie sich die Unfallversicherung in einer älter werdenden und zugleich aktiveren Gesellschaft neu positionieren muss. Moderiert wurde die Veranstaltung von MMag. Astrid Knitel und Wilhelm Klimon.

Den Auftakt setzte Prim. Dr. Karin Stengg vom Healthy Aging Medical Center Vienna mit einem Plädoyer für die Langlebigkeitsmedizin. Sie machte deutlich, dass steigende Lebenserwartung nicht automatisch mehr gesunde Lebensjahre bedeutet und leitete daraus auch für die Unfallversicherung eine neue Rolle ab: weg vom reinen Kostenträger, stärker hin zum Präventionspartner. Univ.-Prof. Dr. Alexia Fürnkranz-Prskawetz ordnete diese Entwicklung demografisch ein. Österreich werde bis in die 2040er Jahre weiterwachsen, zugleich aber deutlich altern – mit weitreichenden Folgen für Sozialsysteme, wirtschaftliche Strukturen und damit auch für den Versicherungsbedarf.

Praxisnah wurde die Tagung mit den Beiträgen von Mag. Bernd Lang, Ausbildungsleiter des ÖAMTC Air Rescue College, und Dr. Maximilian Niederer vom Österreichischen Bergrettungsdienst NÖ/W. Lang schilderte die Anforderungen der Hubschrauberflugrettung in einem hochkomplexen Einsatzumfeld, Niederer beleuchtete die Bergrettung zwischen gesetzlicher Pflicht, Eigenverantwortung und Prävention im alpinen Raum. Ergänzt wurde dieser operative Blick durch Dominik Doppler von Europ Assistance, der zeigte, wie komplex medizinisch notwendige Rückholungen aus dem Ausland tatsächlich sind – als Zusammenspiel von Medizin, Logistik, Organisation und Versicherungsleistung.

Mag. Christian Schimanofsky vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV)  brachte die Diskussion mit aktuellen Zahlen auf den Boden der Realität zurück. Die meisten Unfälle ereignen sich in Österreich im Haushalt und in der Freizeit; besonders markant ist dabei, dass 86 Prozent aller Unfälle nicht von der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt sind. Vor diesem Hintergrund erscheint die private Unfallversicherung weniger als bloßes Zusatzprodukt, denn als Antwort auf eine strukturelle Deckungslücke. Mag. Peter Gebetsberger von Naturfreunde Österreich griff mit dem Mountainbike-Sport ein wachsendes Freizeitsegment auf und zeigte, dass pauschale Risikourteile hier zu kurz greifen. Unterschiedliche Disziplinen, technische Anforderungen und persönliche Faktoren verlangten vielmehr nach einer differenzierten, präventionsorientierten Betrachtung.

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