Michael Kordovsky
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Warum Aktien derzeit im historischen Vergleich schlichtweg zu teuer sind

von Michael Kordovsky

Das Shiller KGV des S&P 500 Index ist ein guter Indikator zur Erkennung spekulativer Blasen am Aktienmarkt. Es basiert auf dem Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der vergangenen zehn Jahre und ist auch bekannt als Cyclically Adjusted PE Ratio (CAPE- Ratio). Dessen Durchschnitts- und Medienwerte liegen seit 1871 bei 17,1 bzw. 16,0. Das Hoch vom Dezember 1999 lag bei 44,19. Ab März 2000 folgte dann ein Abwärtstrend im S&P 500, der bis 2002 anhielt. Vom Peak zum Low lag das Minus bei 49,1 Prozent. Aktuell (26.04.) liegt das Shiller KGV bei 33,86. Ähnlich hoch lag der Wert vor der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre. Wirft man einen Blick auf das Forward KGV im S&P 500, so lag laut FactSet der Wert am 19. April 2024 bei 20, verglichen mit 17,8 im Zehnjahresdurchschnitt.

Und wie sieht es global aus? Der MSCI World Index (23 entwickelte Länder, 1465 Aktien) weist ein Zwölf-Monats-Forward-KGV von 18,7 auf, wobei die USA mit fast 71 Prozent am stärksten gewichtet sind. Das ist nicht gerade günstig, denn folgende Rahmenbedingungen haben sich verändert:

Neue Rahmenbedingungen

  • Zinsschock: In den Jahren 2015 bis 2022 lagen die risikolosen Zinsen entwickelter Volkswirtschaften in der Regel im Minus (Negativzinsen). Doch von Anfang 2022 bis 26. April stieg der Drei-Monats-Euribor von -0,57 auf +3,865 Prozent und die Renditen zweijähriger US-Treasury liegen mittlerweile bei 5 Prozent.
  • Die Staatsschuldenquote der entwickelten Volkswirtschaften erreichte 2020 mit 123 Prozent des BIP den höchsten Wert, der jemals in „Friedenszeiten“ zu sehen war.
  • Die weltweiten Rüstungsausgaben explodierten von 1842 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 bis 2023 auf 2.443 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um jährlich 5,8 Prozent. Weitere Anstiege – vor allem bei den NATO-Ländern und in Russland und China – zeichnen sich ab.
  • Naturkatastrophen aller Art nehmen rapide zu, werden aber als „externe Schocks“ weitgehend aus der Börsenberichterstattung verbannt.
  • Ebenso maßlos unterschätzt und teilweise vollkommen ignoriert werden am Aktienmarkt die neu aufgekeimten geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und zwischen China und Taiwan sowie zunehmende Drohgebärden zwischen Deutschland und Russland.

 Der Spielraum für Steuererleichterungen großer Konzerne ist weitgehend ausgereizt und immer mehr wird der Ruf nach höheren Steuern laut. Vermögenssteuern, sind ein weiteres Thema.

Die Friedensdividende der Jahre 1989 bis 2000 ist längst verjubelt, versenkt in Betongold, dessen Preise abbröckeln, und ausgegeben für dekadenten Luxus. Hingegen erfordert die neue Ära geopolitischer Konflikte zur Finanzierung steigender Rüstungsausgaben mehr Steuereinnahmen oder Sozialkürzungen. Gleichzeitig wird der Klimawandel immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor, der Wachstum und Unternehmensgewinne kostet.

Fazit: Die heute hohen Börsenbewertungen sind nicht gerechtfertigt, zumal sie aktuelle externe Bedrohungen viel zu wenig reflektieren. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wieder ein katastrophales Großereignis eine massive Korrektur der Kurse erzwingt. Einbrüche von bis zu 70 Prozent im S&P 500 wären dann durchaus denkbar.

Standortwechsel

Erste Merkur Agentur