Sonja Brandtmayer ©Marlene Fröhlich luxundlumen
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Vorsorgestudie

Wiener Städtische Versicherung

Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen Versicherung zeigt eine klare Tendenz: Das Vertrauen in eine künftig ausreichend hohe staatliche Pension nimmt weiter ab, während private Vorsorge für immer mehr Menschen zum zentralen Sicherheitsfaktor wird. Rund drei Viertel der Österreicher zweifeln daran, später eine ausreichend hohe staatliche Pension zu erhalten. Gleichzeitig ist die Bedeutung privater Altersvorsorge für neunzig Prozent der Befragten sehr oder eher hoch – ein Spitzenwert. Knapp vierzig Prozent schätzen ihr persönliches Risiko, im Alter von Armut betroffen zu sein, als hoch ein. Und fast zwei Drittel gehen davon aus, auch in der Pension weiter arbeiten zu müssen, um den gewünschten Lebensstandard zu halten. Grundlage der Studie des Marktforschungsinstitut IMAS sind Online-Befragungen unter eintausend Personen zwischen 16- und 65 Jahren, durchgeführt von 15. bis 31. Oktober 2025; die Ergebnisse sind repräsentativ für diese Altersgruppe in Österreich.

 

Knapp die Hälfte der Befragten nennt als Hauptgrund fürs Vorsorgen fehlendes Vertrauen, dass der Staat bei Pensionen ein verlässlicher Partner bleibt. Ebenso viele nennen mögliche Schicksalsschläge als Anlass, rechtzeitig vorzusorgen. 45 Prozent wollen durch Vorsorge ihr persönliches finanzielles Risiko verringern und hoffen, den gewohnten Lebensstandard im Alter halten zu können. Besonders deutlich ist das Misstrauen bei der konkreten Erwartung: Drei Viertel der Befragten zweifeln daran, später eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. „Hier zeigen die zuletzt stärker werdenden Diskussionen über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems Wirkung. Drei Viertel der Befragten zweifeln demnach daran, später eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro in die Stützung der öffentlichen Pensionen fließt, verunsichert mittlerweile 8 von 10 Befragten in Österreich“, erläutert Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen die aktuelle Situation.

Vorsorgebetrag weiter hoch – Klassiker gefragt
Bei den bereits genutzten Vorsorgeinstrumenten dominieren weiterhin die Klassiker: 51 Prozent nennen das Sparkonto, 38 Prozent die Lebensversicherung, 25 Prozent Wertpapiere und Fondssparpläne. Dahinter folgen Bausparen mit 24 Prozent, Gold mit 17 Prozent und Immobilien mit 16 Prozent. Auffallend ist die Verschiebung: Das Sparkonto verliert erstmals seit Jahren an Zugkraft, während Lebensversicherungen sowie Wertpapiere und Fondssparpläne zulegen. Gleichzeitig bleibt die Zahlungsbereitschaft hoch: Im Schnitt investieren die Befragten 225 Euro pro Monat in ihre private Pensionsvorsorge. „Erfreulich ist auch, die Höhe des Betrages, den die Menschen im Schnitt pro Monat bereit sind, für ihre persönliche Pensionsvorsorge zu investieren. Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau,“, so Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Oesterreich zum Vorsorge-Status quo. Männer investieren im Schnitt 265 Euro pro Monat, Frauen 179 Euro.

Schreckgespenst Altersarmut
Altersarmut bleibt ein zentrales Sorgenfeld: 39 Prozent schätzen das Risiko, später selbst betroffen zu sein als hoch ein. Als wirksamste Gegenmaßnahmen gelten ein möglichst früher Start mit privater Vorsorge (86 Prozent) und eine stärkere staatliche Förderung privater Vorsorge (77 Prozent). Passend dazu fällt die Zufriedenheit mit dem staatlichen Pensionssystem insgesamt nur mäßig aus: 46 Prozent sind zufrieden, 44 Prozent nicht. „Angesichts dieses Umfelds ist es wenig überraschend, dass Vorsorge an Bedeutung gewinnt. Für 90 Prozent der Befragten hat private Vorsorge einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert“, so die beiden Finanzexpertinnen unisono.

Zufriedenheit mit Pensionskonto gering
Für mehr Planungssicherheit gibt es seit 20 Jahren das Pensionskonto für alle nach dem 1. Jänner 1955 Geborenen. Laut Umfrage weiß jedoch erst rund die Hälfte der Befragten darüber Bescheid. Und selbst unter jenen, die ihr Guthaben kennen, ist die Zufriedenheit verhalten: Rund die Hälfte ist sehr oder eher zufrieden, 45 Prozent sind eher nicht oder überhaupt nicht zufrieden. Bei der erwarteten späteren Bruttopension nennen die Befragten im Schnitt 2.023 Euro pro Monat; Männer rechnen mit 2.254 Euro, Frauen mit 1.748 Euro.

Expansion in Osttirol

Serie: Ausblick und Rückblick