Die Politik agiert zögerlich, es herrscht fast ein politischer Stillstand bei der Altersvorsorge, das Pensionskonto informiert zu spät und die Österreicher sparen zwar viel, aber oft falsch. Mit der neuen Initiative der IDD Akademie (ehemals ITT) gehen Experten aus der Wirtschaft nun in die Offensive. Ab September 2026 startet der erste Lehrgang zum „Zertifizierten Ruhestandsplaner“ in Kooperation mit Austrian Standards.
„Man muss einen Stein ins Wasser werfen, damit die ersten Wellen entstehen“, zitiert KommR Rudolf Mittendorfer, (Gesellschafter der IDD Akademie) den Philosophen Konfuzius. Die Wellen, die er und seine Mitstreiter KommR Christian Schäfer (Gesellschafter IDD Akademie) und DI Martin Kwauka (Finanzjournalist) schlagen wollen, sind dringend notwendig. Seit fünf Jahren bietet die Akademie bereits Weiterbildungen an, doch das neue Projekt ist mehr als nur ein Seminar – es ist eine gesellschaftspolitische Antwort auf ein ignorantes System.
Die Diagnose: Ein System am Abgrund
Finanzjournalist Martin Kwauka legte die finanzielle Schieflage offen. Im aktuellen Budget sind 34,2 Milliarden Euro für Pensionen vorgesehen (davon 20,3 Mrd. für die gesetzliche PV und 13,9 Mrd. für Beamte). „Der Staat wird sich das auf Dauer nicht leisten können“, warnt Kwauka mit Blick auf die demografische Entwicklung, die laut Prognosen bis 2060 zu einer Verschuldung von bis zu 200 Prozent des BIP führen könnte.
Das Problem liegt jedoch nicht nur auf staatlicher Seite, sondern auch im privaten Anlageverhalten. Österreich „spart sich arm“, da das Geld falsch verteilt ist. Das in Lebensversicherungen angesparte Kapital sank von 83,7 Mrd. Euro (2020) auf nur noch 63,2 Mrd. Euro im 3. Quartal 2025, sicherlich auch auf Grund eines massiven Zinsrückganges, aber auch durch fehlende politische bzw. steuerliche Anreize. Aber dennoch sind Österreicher „Sparefrohs“ denn im Gegensatz dazu verdreifachten sich die täglich fälligen Einlagen seit 2010 auf nunmehr 200,1 Milliarden Euro. Dieses Geld liegt nahezu unverzinst auf Konten und verliert durch die Inflation stetig an Kaufkraft.
Kritik an der Politik: „Betrug an der jungen Generation“
Besonders scharf kritisiert Rudolf Mittendorfer die Informationspolitik des Staates. Dass Bürger erst ab 55 Jahren aktiv über ihr Pensionskonto informiert werden, empfindet er als „fahrlässig“. Mittendorfer: „Mit 55 Jahren ist es zu spät. Die Weichen müssen früher gestellt werden. Es ist politisch eine Katastrophe und in Wahrheit ein Betrug an der jungen Generation, ihnen nicht reinen Wein einzuschenken.“
Da die Politik das Thema seit Jahren verschleppt und Expertisen oft ungehört in Ministerbüros versickern, nehme man die Initiative nun als Wirtschaftstreibende selbst in die Hand. Dies deckt sich mit aktuellen EU-Empfehlungen, die deutlich mehr Transparenz und finanzielle Bildung fordern, um kognitive Verzerrungen bei der Altersvorsorge zu überwinden.
Der Lehrgang: Ganzheitlich, Ehrlich, Präsent
Der neue Lehrgang zum „Zertifizierten Ruhestandsplaner“ bricht mit dem klassischen Silo-Denken. Er richtet sich an alle wissensbasierten Dienstleister aus allen Lagern, wie zum Beispiel: Versicherungsexperten, Anwälte, Steuerberater, Notare sowie Lebens- und Sozialberater.
Um dieser komplexen Ausgangslage gerecht zu werden, verfolgt der neue Lehrgang einen konsequent holistischen Ansatz. Es geht den Initiatoren dabei um weit mehr als rein mathematische Vorsorgemodelle; vielmehr werden rechtliche Aspekte wie das Erbrecht und die strategische Vermögensübertragung ebenso beleuchtet wie die psychologischen Faktoren einer erfüllten Lebensführung im Alter. Für Rudolf Mittendorfer ist dabei die Form der Wissensvermittlung entscheidend für den Erfolg: Er setzt ausschließlich auf Präsenzunterricht, da man seiner Überzeugung nach nur durch den direkten Austausch vor Ort wirklich nachhaltig lernen kann. Während digitale Tools in der Cloud zwar unterstützend zur Verfügung stehen, bleibt die persönliche Interaktion das Herzstück der Ausbildung.
Der Lehrgangs erstreckt sich über zwei Semester mit insgesamt 200 Unterrichtseinheiten. Pro Semester sind 100 Stunden vorgesehen, die jeweils in geblockten Modulen von Donnerstag bis Samstag absolviert werden. Den hohen Qualitätsanspruch unterstreicht zudem die Kooperation mit dem Austrian Standards Institute (ASI), welches die abschließende Prüfung abnimmt. Das dadurch erlangte Zertifikat ist jedoch kein Freibrief auf Lebenszeit, sondern bleibt drei Jahre gültig. Um die Aktualität des Expertenwissens dauerhaft zu garantieren, ist nach diesem Zeitraum eine Rezertifizierung erforderlich, die den Nachweis von 24 Stunden gezielter fachlicher Weiterbildung voraussetzt. Lesen Sie mehr in der nächsten risControl Print Ausgabe.



