Michael Sturmlechner, MBA, ist Geschäftsführer von Aon Österreich. Aon zählt zu den führenden globalen Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen und unterstützt Unternehmen bei Risiko-, Versicherungs- und Vorsorgethemen. In mehr als 120 Ländern verbindet Aon internationale Expertise mit lokaler Marktkenntnis; in Österreich ist das Unternehmen mit rund 330 Kollegen an acht Standorten vertreten. Im Gespräch mit risControl spricht Sturmlechner über multinationale Risikostrukturen, Cyber- und Vertrauensschadenrisiken sowie die Frage, warum zentrale Steuerung und lokale Umsetzung für international tätige Unternehmen immer wichtiger werden
risControl: Österreichische Unternehmen sind international stark vernetzt. Wo sehen Sie derzeit die größten Risiken für multinationale Unternehmen?
Michael Sturmlechner, AON: Man muss das aus meiner Sicht zweigeteilt sehen. Einerseits beschäftigen unsere Kunden aktuell Themen, auf die der klassische Versicherungs- und Beratermarktmarkt nur schwer Antworten geben kann: Zollpolitik, Geopolitik, Lieferketten, kriegerische Auseinandersetzungen, unsicherere Absatzmärkte oder auch die Rohstoffverfügbarkeit. Das sind aktuell unternehmerische Risiken, welchen mit wohl durchdachten und gezielten Unternehmensstrategien begegnet werden muss. Und darin ist die österreichische Unternehmenslandschaft enorm kreativ und resilient. Andererseits steigt gerade deshalb der Beratungsbedarf dort, wo Risikoabwälzung und Risikoberatung wirken können – etwa in den Bereichen internationaler Sach-/BU Lösungen, internationalen Haftpflichtlösungen, D&O-Deckungen, Transportlösungen, bedarfsgerechten Cyberschutz und auch Modellen zur Finanzierung von Eigentragungen. AON ist in über 125 Ländern mit eigenen Kolleginnen und Kollegen vertreten. Dadurch begleiten wir Kunden aus Österreich heraus weltweit und steuern sogenannten Versicherungs-Programme zentral.
risControl: Was bedeutet diese internationale Begleitung konkret?
Michael Sturmlechner, AON: Für international tätige Unternehmen ist oft entscheidend, dass Versicherungsschutz nicht in jedem Land isoliert betrachtet wird. Das Headquarter möchte den Überblick behalten und gleichzeitig sicherstellen, dass lokale Anforderungen erfüllt werden. Wenn etwa in China, den USA oder Asien eine Polizze angepasst werden muss oder ein Schaden eintritt, braucht es Ansprechpartner vor Ort, aber eine zentrale Steuerung aus Österreich. Genau diese Verbindung aus lokaler Präsenz und zentraler Koordination ist in der Praxis wesentlich. So können Entscheidungen schneller getroffen, Schäden effizient begleitet und Versicherungslösungen länderspezifisch umgesetzt werden. Darauf legen unsere Kunden zurecht größten Wert und dies macht unsere Profession aus.
risControl: Wie lassen sich solche Risiken für Geschäftsführung und Vorstand betriebswirtschaftlich greifbar machen?
Michael Sturmlechner, AON: Zunächst muss man die sehr unterschiedlichen und länderspezifischen Rahmenbedingungen verstehen. In China gilt etwa „Cash before Cover“: Die Prämie muss bezahlt sein, bevor Deckung besteht. In anderen Ländern ist entscheidend, ob Versicherungsschutz aus dem Ausland – also in unserem Fall von einem Versicherer aus Österreich heraus – zulässig ist oder ob eine lokale Polizze zwingend notwendig wird. Man spricht hier von admitted- und non-admitted-Ländern. Solche rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Fragen sind die Basis jeder Risikoberatung. Erst dann lässt sich beurteilen, welche Lösung wirtschaftlich sinnvoll ist.
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