Vom Front Office zur Unternehmerin: Michaela Schneeberger spricht über die Übernahme von EFM St. Kathrein, den Rückhalt im Netzwerk und den Mut, mit 43 Jahren noch einmal neu zu beginnen.
Manchmal ist die mögliche Nachfolgerin längst im Unternehmen. Sie kennt die Kunden, die Abläufe und den Betrieb – nur sieht sie sich selbst noch nicht als Unternehmerin.
So war es auch bei Michaela Schneeberger. Seit 2009 arbeitete sie im Front Office von EFM St. Kathrein. Als Franz Ziegerhofer seine Pension plante, wurde ihr angeboten, den Betrieb zu übernehmen. EFM begleitete die Übergabe und war bereit, auch das wirtschaftliche Risiko mitzutragen: Sollte die Übernahme wider Erwarten nicht funktionieren, sollten für Schneeberger daraus keine Schulden entstehen.
Trotz dieses Rückhalts blieb die Entscheidung groß. Sie absolvierte mit 43 Jahren die Ausbildung zur akademischen Versicherungsmaklerin, übernahm 2021 den Standort und führt ihn heute gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen. Fünf Jahre später sagt sie: „Ich würde es auf alle Fälle wieder tun.“
Frau Schneeberger, was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihnen angeboten wurde, den Betrieb zu übernehmen?
Ich habe viele schlaflose Nächte gehabt, bis ich mich auch dank meines familiären Rückhalts wirklich dazu entschlossen habe. Es ging ja doch um eine große Summe. Ich musste mir genau überlegen, ob ich das finanziell stemmen kann und ob ich mir diesen Schritt zutraue.
Ich habe den Betrieb, die Kunden und die Abläufe sehr gut gekannt. Trotzdem ist es etwas anderes, ob man angestellt ist oder plötzlich selbst die gesamte Verantwortung übernimmt.
EFM war bereit, auch das wirtschaftliche Risiko mitzutragen. Wie wichtig war dieser Rückhalt?
Das war natürlich sehr wichtig. Ich bin nicht völlig allein dagestanden. Es hat Unterstützung gegeben, auch bei den ganzen Übergabeformalitäten und beim Zahlungsplan.
Gleichzeitig habe ich die Zahlen des Unternehmens gekannt. Es wäre also schon überraschend gewesen, wenn es nicht funktioniert hätte. Ich hatte die Kunden bereits viele Jahre betreut und kannte das EFM-System sehr gut. Dadurch war das Risiko für mich überschaubarer.
Sie haben mit 43 Jahren noch einmal eine umfassende Ausbildung begonnen. Mussten Sie sich dazu überwinden?
Je älter man ist, desto weniger leicht tut man sich beim Lernen als in jungen Jahren. Aber man kann wieder lernen zu lernen.
Ich glaube, wenn man es wirklich will, kann man es in jedem Alter schaffen. Das Alter ist definitiv kein Hindernis. Man muss einfach offen für neue Sachen sein.
Es gibt immer wieder Systemänderungen und Neuerungen. Jetzt kommt auch die künstliche Intelligenz zu uns ins Haus beziehungsweise ist schon da. Man darf sich vor dem Ganzen nicht verschließen, sondern muss mitgehen und für Neues offen sein.
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