Ecological footprint concept illustration - grass patch footprint
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Kontroverses Aus für das Verbrenner-Aus

von Andreas Dolezal Compliance Officer & Certified CSR Expert

Jetzt also doch: Die EU kippt das für 2035 geplante Aus für Verbrennungsmotoren in PKW. Oder weicht es zumindest soweit auf, dass auch nach 2035 (unter bestimmten Voraussetzungen) weiterhin Diesel und Benzin betriebene PKW neu zugelassen werden dürfen. Autoindustrie und von der Automobilproduktion stark abhängige Länder wie Deutschland haben sich Hand in Hand mit der faktischen Realität durchgesetzt. Die EU-Kommission redet sich ihren Rückzieher schön und spricht von „Maßnahmen für einen sauberen und wettbewerbsfähigen Automobilsektor“. Selbstreflexion und das Eingestehen von Fehlern sind bekanntlich nicht die Stärken der europäischen Politik.

90 Prozent statt 100 Prozent

Automobilhersteller müssen nicht mehr 100 Prozent der Auspuff-Emissionen verhindern, sondern „nur“ mehr 90 Prozent. Die verbleibenden 10 Prozent Emissionen sollen durch das Verwenden von CO2-armem Stahl aus der EU oder durch Biokraftstoffe kompensiert werden. Damit können Plug-in-Hybride, Range Extender, Mild-Hybride und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 weiterhin neu zugelassen werden.

Zufriedenheit, aber auch Kritik

Begleitet wird das gekippte Verbrenner-Aus von zahlreichen Kommentaren. Die konservative Politik ist zufrieden mit sich und dem Erreichten. Interessenvertreter der Wirtschaft sind nicht ganz zufrieden, denn die Rahmenbedingungen, unter denen weiterhin Verbrenner zugelassen werden können, sind streng und womöglich gar nicht erfüllbar (wie etwa CO2-armer „Made in EU“). Klimaschützer haben selbstverständlich Schnappatmung und beklagen lautstark, dass uns die CO2-Emissionen von Diesel- und Benzinstinkern direkt in die Klimahölle befördern werden. Grüne Ideologen sehen ohne Zwang zum Elektroauto die europäische Autoindustrie noch weiter hinter chinesische Hersteller zurückfallen. Und Elektroauto-Fahrer verstehen schlicht die Welt nicht mehr.

Randthema vs. echte Lösung

Am Ende bleibt eine Neuregelung, die sowohl der Vernunft als auch der normativen Kraft des Faktischen folgt. Dass wir für die klimafreundliche Mobilität der Zukunft eine echte, ebenso leistbare wie massentaugliche Lösung brauchen (und nicht nur den ideologiegetriebenen Wechsel von Verbrennungs- zu Elektromotoren im PKW), geht in der aufgeregten Diskussion einmal mehr unter.

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