Naturgefahren, steigende Regulierung und wachsende Erwartungen an Tempo und Transparenz verändern den Versicherungsmarkt spürbar. Die NV setzt dabei auf eine klare Linie: Der Kunde steht im Mittelpunkt – und die strategischen Leitplanken reichen von „Kunden begeistern“ über „Digitalisierung vorantreiben“ bis „Kultur stärken“. Generaldirektor Stefan Jauk spricht über die größten Risiko- und Ergebnistreiber, eine konsequente, aber faire Zeichnungspolitik und den Wunsch nach proportionaler Regulierung. Vertriebsvorstand Stefan Wukovitsch, seit 1.1.2026 für die Vertriebsagenden verantwortlich, betont Qualität und Geschwindigkeit in der Zusammenarbeit mit Maklern und Partnern. Wie gelingt der Spagat zwischen gelebter Nähe vor Ort und digitalen Abschluss- und Servicestrecken – und welche gemeinsamen Prioritäten setzt der Vorstand für 2026?
Generaldirektor Mag. Stefan Jauk, sie führen die NV seit 2021 als Generaldirektor – was hat sich seither in Ihrer strategischen Prioritätenliste am stärksten verschoben?
Bei all meinen Entscheidungen und Handlungen steht der Kunde im Mittelpunkt, dies ist ein Grundsatz, der in der Vergangenheit an oberster Stelle stand und auch in Zukunft unsere Ausrichtung prägen wird. Im Rahmen unseres Strategieprozesses 2026, den wir 2021 gestartet haben, haben wir drei Säulen definiert: “Kunden begeistern”, “Digitalisierung vorantreiben” und “Kultur stärken”. Wir haben seitdem eine Vielzahl an Projekten und Maßnahmen verabschiedet und diese konsequent umgesetzt. Die Ergebnisse spüren unsere Kunden und unsere Mitarbeiter teilweise bereits. Die Prioritäten verschieben sich laufend, aber wir orientieren uns immer an den Bedürfnissen der Kunden.
In welchen Sparten sehen Sie derzeit die größten Risiko- und Ergebnishebel (z. B. Naturgefahren, Kfz, Gewerbe) – und wie reagiert die NV in der Zeichnungspolitik?
Jauk: Der größte Risiko- und Ergebnistreiber liegt aktuell klar bei den Naturgefahren – das Hochwasser 2024 hat dies deutlich gezeigt. Wir als NV waren mit rund 16.000 Einzelschäden mit einem Schadenvolumen von rund 90 Millionen Euro betroffen. Schadenhäufigkeit und Intensität nehmen zu, Schadenszenarien werden komplexer und schwerer kalkulierbar. Unsere Antwort ist eine konsequente, aber faire Zeichnungspolitik: risikoadäquate Prämien, klare Bedingungen und laufende Anpassungen. Insbesondere im Gewerbe‑ und KMU‑Geschäft bieten wir lösungsorientierte, passgenaue Deckungskonzepte. Für Makler ist Transparenz entscheidend – sie müssen klar erkennen können, welche Risiken wir tragen können.
Wo sehen Sie aktuell den größten Regulierungs- bzw. Aufsichts-Impact auf mittelgroße Versicherer – und was wünschen Sie sich an Rahmenbedingungen?
Jauk: Regulierung ist wichtig und richtig, aber Überregulierung führt zu einer nicht zielführenden Komplexität und einem massiven Kostenauftrieb im Geschäft. Der größte Einfluss kommt aktuell aus den steigenden Transparenz- und Dokumentationspflichten sowie einer dichteren aufsichtsrechtlichen Kontrolle zentraler Prozesse. Für mittelgroße Versicherer bedeutet das einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand.
Ich wünsche mir eine proportionale Regulierung, die Größe und Komplexität berücksichtigt. So können regionale Versicherer ihre Stärken ausspielen: Qualität, individuelle Lösungen und schnelle Entscheidungen vor Ort.
Vertriebsvorstand Mag. (FH) Stefan Wukovitsch, Sie wurden im Herbst in den Vorstand berufen und übernahmen per 1.1.2026 die Vertriebsagenden – welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?
Wukovitsch: Mir sind zwei Dinge besonders wichtig: eine hohe Qualität und Geschwindigkeit in der Kooperation mit unseren Vertriebspartnern. Dies erreichen wir durch klar strukturierte, verlässliche Vertriebsprozesse und kompetente Ansprechpartner in der NV. Makler und Kooperationspartner sollen erleben, dass die NV erreichbar, entscheidungsstark und lösungsorientiert agiert und sich kontinuierlich verbessert. Wir entwickeln unsere internen Abläufe laufend weiter, um einfacher, schneller und konsistenter zu werden.
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