59 Prozent der Österreicher haben künstliche Intelligenz bereits bei Gesundheitsfragen genutzt. 31 Prozent folgten zumindest einmal einer KI-Empfehlung, ohne anschließend einen Arzt aufzusuchen. Das zeigt die Gesundheitsstudie 2026 der Wiener Städtischen, für die Gallup 1.000 Menschen zwischen 16 und 70 Jahren befragte.
KI wird vor allem zum Abklären von Symptomen, zum Erklären von Befunden und für Informationen über Medikamente eingesetzt. 38 Prozent empfinden die Auskünfte als hilfreich. Frauen nutzen sie etwas häufiger, Männer verzichten danach eher auf einen Arztbesuch. Unter den 16- bis 35-Jährigen haben bereits drei Viertel KI zu Gesundheitsthemen befragt.
Vorstandsdirektor Manuel Schalk gab bei der Pressekonferenz zu bedenken, dass beruhigende Antworten Menschen auch von einem notwendigen Arztbesuch abhalten könnten. Das größere Vertrauen gilt dennoch den Ärzten: 82 Prozent vertrauen ihnen eher als einer KI, nach 85 Prozent im Vorjahr.
Wartezeiten bleiben der Kritikpunkt
Mit dem öffentlichen Gesundheitssystem sind 47 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Im städtischen Raum bezeichnen sich 17 Prozent als sehr zufrieden, auf dem Land nur fünf Prozent. 71 Prozent halten das Angebot an Kassenfachärzten für unzureichend; 34 Prozent warten länger als zwei Monate auf einen Termin.
Eine Ambulanzgebühr für nicht dringende Krankenhausbesuche können sich 58 Prozent vorstellen. Rund drei Viertel der Befürworter würden höchstens 20 Euro akzeptieren. Schalk relativierte die Wirkung: „Die Einführung der Ambulanzgebühr wird das Thema rund um die Wartezeiten, die wir bei den Fachärzten haben, nicht alleine lösen.“
Gesundheit und Vorsorge im Blick
Die Mehrheit bewertet die eigene körperliche und mentale Gesundheit als gut oder sehr gut. Eine körperliche Verschlechterung berichten allerdings 32 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer. Bei der mentalen Gesundheit melden besonders Jüngere Verbesserungen. Drei Viertel halten es zudem für wesentlich, geschlechtsspezifische Unterschiede bei Diagnose und Behandlung zu berücksichtigen.
52 Prozent sehen den Abschluss einer privaten Krankenversicherung als wichtig oder sehr wichtig an. Bei den unter 35-Jährigen stieg der Anteil der Einstufung „sehr wichtig“ von 25 auf 33 Prozent. Bei 33 Prozent ist das Interesse an privater Gesundheitsvorsorge im vergangenen Jahr gestiegen, besonders bei den Jüngeren. Von den Befragten ohne private Krankenversicherung möchte rund ein Drittel grundsätzlich oder eher eine abschließen. 30 Prozent sehen dagegen keinen Bedarf und vertrauen auf das öffentliche Gesundheitssystem. Als Gründe für eine private Absicherung werden vor allem lange Wartezeiten und zu wenig Zeit für Patientengespräche genannt. Unter den privat Versicherten haben 60 Prozent einen Privatarzt-Baustein, die Hälfte eine Sonderklassenversicherung.
Schalk sieht bei den Jüngeren einen breiteren Trend: „Wir sehen, dass sich die junge Generation intensiv mit dem Thema Gesundheit beschäftigt.“ Das betreffe auch Ernährung, Bewegung und Lebensstil.


