In der aktuellen risControl Print Ausgabe (August 2026) sprechen wir mit DI Georg Daurer, Vorstand der BONUS Pensionskassen AG, über Reformbedarf in der zweiten Säule, mehr Transparenz in der Altersvorsorge und Nachhaltigkeit zwischen Verantwortung und Performance.
Die Bundesregierung will die betriebliche Altersvorsorge stärken. Für Georg Daurer ist der politische Grundgedanke richtig, die Umsetzung aber noch nicht konsequent genug. Im Gespräch erklärt der Vorstand der BONUS Pensionskassen AG, warum die zweite Säule früher ansetzen muss, weshalb Transparenz über alle Vorsorgebausteine entscheidend ist und warum Nachhaltigkeit in der Veranlagung immer auch mit Performance vereinbar sein muss.
risControl: Hat die Regierung erkannt, dass im Pensionssystem Handlungsbedarf besteht?
Georg Daurer: Ja, grundsätzlich hat die Regierung erkannt, dass etwas getan werden muss. Der Gedanke ist richtig, die Umsetzung ist aus meiner Sicht aber noch nicht ausreichend. In der ersten Säule wird es langfristig um eine faktische Erhöhung des Pensionsalters gehen. Viele Menschen stellen sich ohnehin bereits darauf ein, länger arbeiten zu müssen.
Auch in der zweiten Säule gibt es Reformbedarf, insbesondere bei der Abfertigung neu beziehungsweise beim BMSVG. Dass man nach mehr als 20 Jahren feststellt, dass die ursprüngliche Konstruktion nicht optimal war, kommt spät. Entscheidend ist jetzt, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.
risControl: Was müsste bei der zweiten Säule anders laufen?
Daurer: Es geht darum, von Beginn an Kapital aufzubauen, aus dem später tatsächlich eine zusätzliche Pension entstehen kann. Kleine Beiträge brauchen lange Zeiträume, bis daraus ein Kapitalstock entsteht, der groß genug ist, um eine spürbare Pensionsleistung zu finanzieren. Das dauert 20 Jahre oder länger.
Deshalb müsste stärker in Richtung Vorsorge gedacht werden. Wenn Kapital erst spät pensionsorientiert veranlagt wird, ist viel Potenzial verloren. Je früher begonnen wird, desto eher kann daraus eine echte Zusatzpension entstehen.
risControl: Wie kann man Arbeitnehmer stärker für die betriebliche Altersvorsorge sensibilisieren?
Daurer: In Österreich ist die Haltung stark verbreitet, dass der Staat es schon richten wird. Diese Mentalität muss sich ändern. Der Bürger sollte mehr Freiheit bekommen, aber auch mehr Verantwortung übernehmen können.
Gleichzeitig braucht es konkrete Maßnahmen. Die Lohnnebenkosten sollten gesenkt werden, während die Beiträge zur betrieblichen Vorsorge schrittweise erhöht werden könnten. Die derzeitigen 1,53 Prozent stammen aus der Einführungsphase des Modells Anfang der 2000er-Jahre. Aus heutiger Sicht ist das zu wenig. Eine Möglichkeit wäre, bei Kollektivvertragserhöhungen einige Basispunkte zusätzlich für die Vorsorge vorzusehen.



