Mit etwa 450.000 Einwohnern ist Zürich die größte Stadt der Schweiz, aber nicht die offizielle Hauptstadt (die die Schweiz gar nicht hat). Gelegen am nordwestlichen Ende des 40 Kilometer langen, aber maximal nur knapp vier Kilometer breiten Zürichsees, ist die Schweizer Metropole als Finanzplatz bekannt, hat aber auch Genussmenschen viel zu bieten. Wer Zürich als Reiseziel wählt, sollte mit atemberaubendem Preisniveau rechnen.
Der Flug von Wien nach Zürich dauert nur eine Stunde und 20 Minuten. Alternativ gibt es eine Bahn- Direktverbindung der ÖBB, für die knapp acht Stunden Fahrzeit einzuplanen sind (wenn die Strecke über das Deutsche Eck, wie in meinem Fall, nicht gerade gesperrt ist und der Zug über Zell am See geführt wird, dann sind es 90 Minuten mehr). Der Vorteil der Anreise mit der Bahn ist, dass man am Züricher Hauptbahnhof gleich mitten im Zentrum ankommt. In der imposanten Bahnhofshalle wird man mit ein wenig Terminglück vom Zürich Street Food Park empfangen, der mit 40 Food Trucks und herrlich duftenden Gerichten aus aller Welt lockt.
Hotels zur Auswahl gibt es reichlich, zum Beispiel das stylische Boutique-Hotel Ruby Mimi am Beatenplatz nur wenige Meter von Bahnhof entfernt. Als Hommage an das erste Züricher Großkino, das 1914 in diesem denkmalgeschützten Gebäude eingerichtet wurde, gibt es im zweiten Stock des Hotels einen kleinen Kinosaal, dessen tägliche Filmvorführungen die Hotelgäste kostenlos besuchen können. Erfreulich für Städtereisende ist, dass die Zimmerpreise – typisch für Business-Zentren – zum Wochenende hin oft etwas günstiger sind. Trotzdem stehen im Ruby Mimi am Ende ca. 400 CHF (440 Euro) pro Nacht auf der Rechnung.
Zu empfehlen ist gleich nebenan die Brasserie & Bar Dupont mit sonnigem Schanigarten am Beatenplatz. Dank Öffnungszeiten von zehn Uhr bis spät abends bietet sich das Dupont für Frühstück, Mittag- und Abendessen ebenso an wie für einen nachmittäglichen Sundowner und nächtlichen Schlummertrunk.
Wahrlich teures Pflaster
Ein wenig mehr als nur Kleingeld sollte man in Zürich dabeihaben. Die Umrechnung von Schweizer Franken auf Euro ist recht einfach: CHF mal 1,1 ergibt ziemlich genau den Wert in Euro. Und diese Rechnung führt oft zu schockierenden Ergebnissen. Wiener Schnitzel (vom Kalb) mit Beilage 54 CHF, also knapp 60 Euro, Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti zwischen 38 CHF und 48 CHF (42 bis 53 Euro), ein eher kleines, aber ausgezeichnetes Stück Schokokuchen beim Sprüngli, einer traditionsreichen Confiserie-Kette, 10 CHF. Ein Glas Wein (0,1 Liter) oder ein Weißwein gespritzt schlagen mit bis zu 11 CHF zu Buche. Zürich wird seinem Ruf, ein teures Vergnügen zu sein, wahrlich in allen Belangen gerecht.
Grüezi mitenand und Guete Tag!
Zürich liegt in unserem mehrsprachigen Nachbarland (deutsch, französisch, italienisch, rätoromanisch) in der sogenannten Deutschschweiz. Das hier gesprochene Schwiizerdüütsch unterscheidet sich stark vom Hochdeutsch und variiert je nach Region. Mit einem sympathischen „Grüezi“ begrüßen sich die Züricher von morgens bis spät nachmittags, danach gehen sie zum „Gueten Aabig“ über. Weniger förmlich sind „Salü“ oder „Tschau“, als Dankeschön hören wird oft „Merci“ oder „Merci vielmal“. Das Gemisch an Sprachen dominiert auch das Schweizerdeutsch.
Das verspielt klingende „i“ am Wortende zieht sich durch den ganzen Alltag. Zum Frühstück gibt es ein Gipfeli (Croissant), zur Bratwurst ein Bürli (knuspriges Weißgebäck), zum Naschen eine Schoggi und in der warmen Vitrine im Supermarkt (mein sprachliches Highlight) ein Mistkratzerli, ein kleines, gebratenes Huhn. Ein steiles Gässchen mit Treppe in der Züricher Altstadt heißt bezeichnend Trittli-Gasse.
Shopping und Genuss
Die Bahnhofstraße, Zürichs berühmte Einkaufsmeile, erstreckt sich auf etwa 1,5 Kilometer Länge vom Hauptbahnhof bis zum Zürichsee. Direkt auf der Bahnhofstraße, die zwar meist verkehrsberuhigt ist, aber von mehreren Straßenbahnlinien befahren wird, sowie den Seitengassen finden wir eine einladende Melange aus Geschäften und Lokalen. Die Palette reicht von Flaggship-Stores sämtlicher Luxusuhren- und Mode-Marken bis zu Billigmode-Ketten. Die mondänen Züricher wissen zu genießen, Bars und Cafés sind gut besucht, vor einigen gilt es, sich geduldig ein paar Minuten anzustellen. Wem zwischendurch nach einem italienischen Aperitivo oder einem Glas Wein ist, den lädt die Weinbar Armando’s by Vergani nahe dem Löwenplatz zu einem Intermezzo ein. Auf Eis gerührte Negronis und Aperitivo-Plättli mit Salumi, Prosciutto und Käse werden, wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt, von chilligen DJ-Klängen begleitet.
Am seeseitigen Ende der Bahnhofstraße, am Bürkliplatz, finden wir die Schiffsanlegestelle. Über die Quaibrücke erreichen wir den Bellevue, einen großen Platz und Verkehrsknotenpunkt. Beim Sternen Grill, quasi ein Würstelstand, genießen nicht nur Einheimische und Touristen, sondern (laut Internetseite) auch Weltstars und Prominente heiße Schweizer Wurst-Klassiker, wie die St. Galler Bratwurst mit scharfem Senf und einem knusprigen Gold-Bürli, bis spät in die Nacht.
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