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Der blinde Fleck der RIS: Finanzbildung!

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Warum Europas Kapitalmarkt-Offensive nur funktionieren wird, wenn die Menschen finanzielle Entscheidungen besser verstehen.

Eine Zahl sorgte beim AFPA-Marktdialog für Aufmerksamkeit. Denn laut Europäischer Kommission werden nur rund 17 Prozent der privaten Ersparnisse in Europa am Kapitalmarkt investiert. In den USA sind es rund 43 Prozent. Und in Österreich parken ca. 200 Mrd. Euro auf schlecht oder überhaupt nicht verzinsten Sparbüchern.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Europäische Union mit der Savings and Investment Union das Ziel, mehr privates Kapital produktiv einzusetzen und damit sowohl den Vermögensaufbau der Bürger, als auch die Finanzierung der europäischen Wirtschaft zu stärken. Die Retail Investment Strategy, kurz RIS, bildet dabei einen zentralen Baustein.

Die entscheidende Frage lautet aber: Wie soll das gelingen, wenn ein großer Teil der Bevölkerung grundlegende Finanzthemen nur unzureichend versteht?

Die RIS als Teil einer größeren europäischen Strategie

Zum Einstieg erläuterte MMag. Thomas Ramharter vom Finanzministerium den aktuellen Stand der RIS-Verhandlungen. Die politische Einigung auf europäischer Ebene liegt mittlerweile vor, die Veröffentlichung im Amtsblatt wird in absehbarer Zeit erwartet. Die Umsetzung in nationales Recht kann die Branche voraussichtlich ab Ende 2028 bzw. Anfang 2029 erwarten.

Die bekannten Vorgaben rund um Provisionen, Transparenz und Value for Money werden die Branche also künftig beschäftigen. Doch im Laufe der Diskussion kristallisierte sich ein ganz anderer Engpass heraus.

Das größte Hindernis ist oft nicht das Risiko

In der öffentlichen Diskussion wird häufig angenommen, dass Menschen Wertpapierinvestments vor allem deshalb meiden, weil sie Risiken scheuen. Doch die beim AFPA-Marktdialog vorgestellten Erkenntnisse zeichnen ein anderes Bild.

Mag. Christian Prantner von der Arbeiterkammer Wien verwies auf Studienergebnisse, wonach der häufigste Grund gegen Wertpapierveranlagungen überraschend simpel ist: „Ich kenne mich nicht aus.“ Nicht das Risiko, nicht die Kosten, nicht das Angebot, sondern Unsicherheit verhindern größere Aktieninvestments. Wer die Grundbegriffe nicht versteht, wer nicht einschätzen kann, wie Kapitalmärkte funktionieren oder welche Chancen und Risiken unterschiedliche Anlageformen bieten, entscheidet sich häufig gar nicht erst für eine Veranlagung.


Ohne Finanzbildung hilft die beste Regulierung wenig

Genau hier setzt auch die Europäische Kommission an. Für Dkfm. Marc Fähndrich, der die Kommission beim AFPA-Marktdialog vertrat, ist Finanzbildung längst kein Randthema mehr. Im Gegenteil: Sie wird zunehmend als zentrale Voraussetzung für die Ziele der Savings and Investment Union gesehen. Denn neue Vorschriften allein – wie etwa die RIS – schaffen noch keine Anleger.

Auch transparente Informationsblätter führen nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. Wer die Mechanismen von Inflation, Risiko, Diversifikation oder langfristigem Vermögensaufbau nicht versteht, wird selbst die bestaufbereitete Information oft nicht nutzen können. Finanzbildung ist aus Sicht der Europäischen Kommission daher keine Ergänzung zur RIS, sondern ein wesentlicher Baustein ihres Erfolges. Lesen Sie mehr in der November Print Ausgabe von risControl.

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