Eine aktuelle INTEGRAL-Umfrage im Auftrag von Standard Life zeigt, dass viele Menschen ihre finanzielle Situation im Ruhestand zwar grundsätzlich einschätzen können, daraus aber noch keine konkrete Planung ableiten. Befragt wurden Personen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Nur vier von zehn sind zuversichtlich, ihren Lebensstandard in der Pension im Vergleich zum aktiven Berufsleben halten zu können. Gleichzeitig rechnen 58 Prozent mit gleich hohen oder höheren Ausgaben.
Sechs von zehn Befragten, die noch nicht im Ruhestand sind, kennen nach eigenen Angaben den Stand ihres Pensionskontos sehr genau oder zumindest eher genau. Einen konkreten Einnahmen-Ausgaben-Plan für die Pension haben jedoch nur 22 Prozent erstellt. Rund die Hälfte hat auch nicht vor, eine strukturierte finanzielle Planung für die Zeit nach dem Erwerbsleben anzugehen.
„Die Studienergebnisse zeigen eine deutliche Lücke zwischen Problembewusstsein und tatsächlicher Vorsorge“, betont Christian Nuschele, Head of Distribution & Marketing bei Standard Life Österreich. Viele Menschen würden mit finanziellen Einschränkungen rechnen, sich aber zu spät oder gar nicht systematisch mit ihrer künftigen Einkommens- und Ausgabensituation auseinandersetzen. Angesichts steigender Lebenserwartung und Pensionsphasen von mitunter mehr als 30 Jahren brauche es Strategien, um Vermögen nicht nur aufzubauen, sondern daraus auch laufendes Einkommen zu generieren.
Auch professionelle Beratung wird noch wenig genutzt. 78 Prozent jener, die sich bereits mit ihrem finanziellen Ruhestand beschäftigen oder dies planen, nehmen die Planung selbst in die Hand. Nur 20 Prozent greifen auf Beratung durch Banken, Finanzdienstleister oder Versicherungsexperten zurück.
Die Umfrage zeigt zudem eine deutliche Verunsicherung: 56 Prozent rechnen damit, dass das Pensionsantrittsalter bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre erhöht wird. Jede zweite befragte Person sieht die eigene Pflegebedürftigkeit oder jene eines Familienmitglieds als potenzielle finanzielle Herausforderung im Ruhestand.
Bei Finanzprodukten dominieren Sicherheits- und Kontrollmotive. Für 60 Prozent ist die einfache Verfügbarkeit des Geldes entscheidend, 46 Prozent nennen Sicherheit der Anlage, 32 Prozent Flexibilität bei Ein- und Auszahlungen. 44 Prozent würden sich angespartes Kapital bei Pensionsbeginn vollständig auszahlen lassen. Nur 18 Prozent bevorzugen eine lebenslange monatliche Rente, 31 Prozent eine Kombination aus beidem.
WIFO-Ökonom Thomas Url sieht auch strukturell steigenden Handlungsdruck. Das österreichische Pensionssystem biete im internationalen Vergleich zwar eine hohe Einkommensersatzrate, sei aber stark auf das Umlageverfahren konzentriert. Angesichts des demografischen Wandels und der Veränderungen am Arbeitsmarkt werde der Finanzierungsdruck weiter steigen. Viele andere Länder würden stärker auf mehrere Säulen und kapitalgedeckte Elemente setzen.



