Zwischen Cyber-Risk Manager und KI-Haftung: Versicherungsmakler sollen Cyberrisiken erkennen, Versicherungsbedingungen prüfen, Präventionsmaßnahmen verstehen und im Schadenfall die richtigen Schritte koordinieren. Beim Expert:innentreffen in Rust wurde deutlich, wie stark damit die Anforderungen an Beratung und Verantwortung steigen – insbesondere dann, wenn künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt.
„Der Makler muss für mich ein Wunderwuzzi sein. Sie müssen alles wissen, jedes Risiko, jedes Produkt, jeden Versicherer kennen – und das ist einfach zu viel“, beschrieb Mag. Kerstin Keltner, Managing Director und Head of Specialty bei Aon Austria, die wachsenden Erwartungen an den Berufsstand. Gerade bei Cyberrisiken stoße das Generalistentum an Grenzen. Nicht jeder könne in sämtlichen Bereichen über Spezialwissen verfügen. Umso wichtiger seien Spezialisierung und die Zusammenarbeit mit geeigneten Partnern.
Keltner machte zugleich deutlich, dass eine Cyberversicherung allein nicht ausreicht, um digitale Risiken abzusichern. Denn Betriebsunterbrechungen, Datenverluste oder finanzielle Schäden können nicht nur durch Cyberangriffe entstehen, sondern auch durch technische Probleme, Fehlbedienungen oder Elementargefahren. Welche Versicherung im Schadenfall eintritt, hängt von der Ursache, dem entstandenen Schaden und den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen nach Keltners Ansicht Sublimits, Obliegenheiten und das Assistance-Netzwerk des Versicherers. Bei einer Cybererpressung sollten Betroffene weder selbst mit den Tätern kommunizieren noch ohne Abstimmung Zahlungen leisten oder eigene Dienstleister beauftragen. „Dann kommt der Schaden. Das ist der Moment der Wahrheit“, sagte Keltner. Gerade im Ernstfall zeige sich, ob Meldewege, Zuständigkeiten und Soforthilfe tatsächlich funktionieren.
Auch Maklerbetriebe selbst seien aufgrund der bei ihnen gespeicherten Kunden-, Risiko- und Vertragsdaten attraktive Ziele. „Wir sind ein wandelndes Kumulrisiko“, brachte Keltner die besondere Gefährdung auf den Punkt. Wer Cyberversicherungen vermittelt, müsse sich daher auch mit Prävention und Absicherung im eigenen Unternehmen auseinandersetzen.
Wo die rechtlichen Grenzen beim Einsatz von KI liegen und welche Konsequenzen Experten auf dem Podium diskutierten, lesen Sie im nächsten Teil auf risControl Daily.



