Eric Samuiloff, Martin Kwauka ©Barbara Lachner
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So wird die Privatvorsorge wieder fit

Fachverband Finanzdienstleister Fachgruppe Wien

In Österreich führt die private Pensionsvorsorge ein Schattendasein. Die 2003 eingeführte prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge wird im Neugeschäft kaum noch angeboten. Hauptgrund sind der Konstruktionsfehler aus verpflichtender Aktienquote und Kapitalgarantie. Deutschland hatte ebenfalls Probleme mit der privaten Riester-Rente, schafft aber ab 2027 mit dem neuen Altersvorsorge-Depot ein attraktives Angebot. Eric Samuiloff, Obmann der Fachgruppe Wien der Finanzdienstleister, fordert jetzt auch für Österreich rasche Reformen.

 In Österreich stammen von den gesamten Pensionszahlungen im Jahr 2024 von 83,2 Milliarden Euro 91,5 Prozent aus dem staatlichen System. Nur 4,9 Prozent stammen aus privaten Lebensversicherungen, 3,6 Prozent aus Betriebspensionen. Es stammt also fast alles aus dem staatlichen Bereich. Allerdings kann dies nur durch stark steigende Zuschüsse aus dem Budget finanziert werden. Im Jahr 2027 muss der Finanzminister bereits 33,4 Milliarden Euro überweisen. Das Problem des demographischen Wandels wird dadurch verschärft, dass in Zukunft auch die Budgetkosten für Gesundheit und Pflege stark ansteigen. Zwar hatte die damalige ÖVP-FPÖ-Koalition als Ausgleich für die Kürzungen der Pensionsreform 2003 die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge als Produkt für die private Altersvorsorge eingeführt. Der Absatz war anfangs sehr erfolgreich und erreichte am Höhepunkt 1,6 Millionen Verträge. In der globalen Finanzkrise 2008/2009 ließ aber die Kapitalgarantie die Erträge oft bis auf null senken. Ende 2025 existierten bloß 729.000 Verträge, neue Verträge werden kaum noch angeboten.

Deutschland hatte mit der geförderten Riester-Rente ein vergleichbares Produkt für die private Vorsorge eingeführt. Hohe Kosten und die verpflichtende Kapitalgarantie entpuppten die einst versprochenen Renditen als Luftschlösser sorgte für enttäuschende Erträge. Während Österreichs Politiker die Probleme der Zukunftsvorsorge seit Jahren ignorieren, hat jetzt Deutschland endlich gehandelt. Ab dem 1. 1. 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot. Dort ist die Kapitalgarantie nicht mehr verpflichtend, selbst reine Aktienfonds sind erlaubt. Die Garantie kann aber, zum Beispiel in Versicherungsprodukten, weiter als Option angeboten werden. Der deutsche Staat fördert Einzahlungen bis zu 1.800 Euro im Jahr mit maximal 540 Euro Grundzulage und zusätzlich 300 Euro pro Kind. Die Auszahlung ist entweder als lebenslange Rente vorgesehen oder als Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr.

Für Eric Samuiloff, Obmann der Fachgruppe Wien der Finanzdienstleister, besteht auch in Österreich dringender Handlungsbedarf, um die private Pensionsvorsorge zu beleben. Samuiloff: „Wichtig sind einfache, transparente Lösungen, die attraktive Renditen ermöglichen.“ So hat Samuiloff zwei Vorschläge für sofort umsetzbare Maßnahmen: Erstens muss es bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge eine Wahlmöglichkeit geben, auf die Kapitalgarantie zu verzichten. Die Veranlagung könnte gemäß § 25 Pensionskassengesetz erfolgen. Diese Regeln erlauben ein sehr breites Anlagespektrum ohne fixe Obergrenzen für Aktien, es muss aber auch möglichst stabile Erträge geachtet werden. Zweitens müsste ein steuerfreies Vorsorgedepot zur Pensionsvorsorge eingerichtet werden, in dem jährliche Einzahlungen bis zu 5.000 Euro möglich sind. Auch hier sollte die Veranlagung wie im Pensionskassengesetz geregelt sein. Finanzdienstleister-Obmann Samuiloff: „Es macht keinen Sinn, wie vorgeschlagen nur Kinderdepots zu fördern, mit denen dann mit 18 ein neues Auto gekauft werden kann. Die Förderung muss für alle Altersklassen offen sein.“

 

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