Wie geht es Menschen über 80 in Österreich? Besser, als viele vielleicht vermuten würden. Laut aktueller Hochaltrigenstudie sind rund neun von zehn Befragten mit ihrem Leben zufrieden. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung aber auch: Gesundheit, Einkommen, Bildung und Geschlecht machen im hohen Alter einen großen Unterschied.
Alt werden bedeutet nicht automatisch Pflegebedürftigkeit oder Einsamkeit. Das zeigt die aktuelle Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie. Rund ein Drittel der Befragten ist gesundheitlich und funktional gut aufgestellt, die große Mehrheit lebt weiterhin im eigenen Zuhause. Nur ein kleiner Teil wohnt im Pflegeheim.
Auch das häufige Bild von einsamen oder depressiven alten Menschen wird durch die Studie relativiert. Mehr als 80 Prozent der Befragten leiden an keiner Depression, rund drei Viertel fühlen sich nie einsam. Studienleiter Georg Ruppe betont daher, dass es „die Alten“ nicht gebe. Die Lebensrealitäten von Menschen ab 80 seien sehr unterschiedlich – je nach Gesundheit, sozialem Umfeld und persönlicher Lebenssituation.
Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, wo die Herausforderungen liegen. Menschen mit niedriger Bildung sind häufiger krank, pflegebedürftig oder von mehreren chronischen Erkrankungen betroffen. Frauen haben im hohen Alter öfter gesundheitliche Einschränkungen, leben häufiger allein und tragen ein höheres Armutsrisiko.
Auch bei der finanziellen Situation zeigt sich ein geteiltes Bild. Viele hochaltrige Menschen kommen gut zurecht, dennoch gilt etwa ein Viertel als armutsgefährdet. Mehr als ein Fünftel der Befragten muss mit weniger als 1.600 Euro monatlichem Haushaltseinkommen auskommen. Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen Versicherung, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass sich soziale Ungleichheit über den gesamten Lebenslauf fortsetzt und im hohen Alter besonders sichtbar wird.
Ein wichtiges Thema bleibt auch die Betreuung. Wenn Unterstützung notwendig wird, möchten viele möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben. Rund 44 Prozent können sich eine 24-Stunden-Betreuung vorstellen, ein Pflegeheim kommt für rund ein Drittel infrage. Besonders Frauen wechseln im hohen Alter häufiger in Pflegeheime – auch deshalb, weil sie öfter verwitwet sind und weniger familiäre Unterstützung haben. Zufrieden im Alter, aber nicht sorgenfrei. Handlungsbedarf gibt es zudem bei Digitalisierung und Wohnen. Zwar nutzen rund 40 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich das Internet, regelmäßig online ist aber nur etwa ein Viertel. Besonders niedrig ist die Nutzung bei Frauen und Menschen mit niedriger Bildung. Digitales Teilnehmen wird damit auch im hohen Alter zu einer sozialen Frage – etwa bei Behördenwegen, Bankgeschäften, Gesundheitsinformationen oder beim Kontakt mit Familie und Freunden. Auch beim Wohnen zeigt sich, dass viele möglichst lange zuhause bleiben möchten, notwendige Anpassungen aber oft erst bei konkretem Bedarf vorgenommen werden. Rund 27 Prozent haben bereits Wohnraumadaptierungen durchgeführt; bei Menschen mit stärkeren Einschränkungen ist es fast jede zweite Person. Altersgerechtes Wohnen wird damit zunehmend wichtiger, wird aber noch zu selten vorausschauend geplant.


