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Zinsen wieder im Aufwind?

von Michael Kordovsky

Nach einer längeren Phase stabiler Leitzinsen rücken Zinserhöhungen wieder stärker in den Fokus. Auslöser sind hartnäckige Inflation, volatile Energiepreise und geopolitische Risiken. Im Euroraum stieg die HVPI-Inflation von 1,9 % im Februar auf 3,0 % im April. Die Teuerung der Energiepreiskomponente lag zuletzt sogar bei 10,8 %, denn der Brent-Ölpreis näherte sich im laufenden Jahr zeitweise der Marke von 120 USD je Barrel, bevor diplomatische Hoffnungen wieder Entspannung brachten. Dennoch bleiben Energiepreise, Lieferkettenunterbrechungen und Warenknappheiten wesentliche Inflationsrisikofaktoren.

Der Geldmarkt hat bereits reagiert. Der 3-Monats-Euribor stieg seit Beginn des Irankriegs von 2,026 % am 2. März auf 2,204 % am 25. Mai. Die Forward-Rates signalisieren bis März 2027 ein mögliches Hoch von 2,81 %, was in etwa der Erwartung von drei Leitzinsanhebungen um je 25 Basispunkte entspricht.

Durchwachsenes Bild für Anleihen

Geldmarktfonds bleiben interessant, solange die kurzfristigen Zinsen weiter steigen oder erhöht bleiben. Bei Investment-Grade-Staatsanleihen sollte grundsätzlich auf die Laufzeitrisiken geachtet werden, wobei der größte Renditeanstieg bereits hinter uns liegen könnte, denn: Der 20-jährige EUR-Swapsatz lag zuletzt bei rund 3,20 % und damit etwa 20 Basispunkte unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,40 %. Die Zinsstrukturkurve flacht ab zehn Jahren deutlich ab, was auf eingepreiste Konjunkturrisiken hindeutet. Für den nächsten Abschwung werden klassische Staatsanleihen daher wieder interessanter, vor allem aus europäischen Kern- und Qualitätsmärkten (z. B. Deutschland, Österreich und Niederlande). Unternehmensanleihen müssen differenzierter betrachtet werden. Investment-Grade-Anleihen bieten zwar höhere Bonität, können aber bei Rating-Downgrades oder steigenden Risikoaufschlägen unter Druck geraten.

Bei Corporate-High-Yield-Bonds kommt es immer auf die aktuellen Risikoprämien gegenüber laufzeitkongruenten Staatsanleihen an. Derzeit sind sie mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, weil schwächeres Wachstum und steigende Ausfallsrisiken zu einem Anstieg der Risikoprämien führen können. Emerging-Markets-Bonds könnten selektiv profitieren, wenn der US-Dollar schwächer wird und die US-Zinsen voraussichtlich weitgehend stabil bleiben.

Auch Vorsorgeprodukte verändern sich im höheren Zinsumfeld. Je höher Geld- und Kapitalmarktzinsen sind, desto größer wird der Spielraum bei der Garantiegestaltung. Garantien lassen sich leichter darstellen, ohne dass das gesamte Produkt extrem defensiv veranlagt werden muss. Für klassische Lebens- und Pensionsvorsorge kann das die Gestaltungsmöglichkeiten verbessern.

Variabel verzinste Kredite werden teurer

Kreditnehmer spüren die Zinswende dagegen unmittelbar. Variable Kredite verlieren an Attraktivität. Bei einem 3-Monats-Euribor von bis zu 2,80 % und Aufschlägen von 1,10 bis 1,15 Prozentpunkten wären variable Kreditzinsen von rund 3,90 bis 3,95 % möglich. Bei 20-jährigen Fixzinsbindungen sind der EUR-Swapsatz und die Bankmarge entscheidend. Letztere könnte mit höherem Zinsniveau wieder ansteigen, während beim 20-Jahres-EUR-Swapsatz innerhalb einer größeren Bandbreite unterschiedliche Szenarien denkbar sind. Inflation und Wirtschaftswachstum sowie Inflations- und Wachstumsaussichten sind hier entscheidend.

Sonne, Strand, Meer und Beton

Jahresbilanz 2025