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Ruhestandsplanung beginnt nicht erst mit dem Pensionsantritt

Standard Life

Die steigende Lebenserwartung verändert die finanzielle Planung für den Ruhestand grundlegend. Christian Nuschele von Standard Life spricht im risControl über lange Pensionsphasen, den oft unterschätzten Liquiditätsbedarf im Alter und darüber, warum Berater stärker in Zahlungsströmen denken sollten.

Die Lebenserwartung steigt, die Pensionsphase kann heute 25 oder sogar mehr als 30 Jahre dauern. Was bedeutet das konkret für die Ruhestandsplanung?

Der deutlichste Effekt ist, dass wir für die Pensionsphase mittlerweile über Zeiträume sprechen, die man früher als langfristiges Investieren bezeichnet hätte. Alles, was über zehn oder 15 Jahre hinausging, galt als wirklich langfristig. Heute reden wir im Ruhestand über 25 oder 30 Jahre. Das ist für viele Menschen schwer greifbar.

Gleichzeitig wird oft vergessen, dass auch in dieser Phase weiter investiert werden muss, um über diese lange Strecke zu kommen. Investieren heißt dabei auch: Produktivkapital, Aktien, volatilere, aber chancenorientiertere Kapitalanlagen. Denn am Ende wird man diese Chancen brauchen.

Viele Menschen denken bei Altersvorsorge vor allem an den Vermögensaufbau. Wird die Frage, wie daraus später ein regelmäßiges Einkommen wird, noch zu wenig beleuchtet?

Ja, eindeutig. Die Denkweise ist meist auf den Aufbau ausgerichtet. Wenn jemand über Altersvorsorge spricht, geht es in der Regel darum, welche Pension zu erwarten ist, welche Pensionslücke möglicherweise entsteht, und was getan werden muss, um diese Lücke bis zum Pensionsbeginn zu schließen.

Was danach kommt, wird zu wenig durchleuchtet: jene 25 oder 30 Jahre, in denen Inflation, veränderter Kapitalbedarf und veränderter Liquiditätsbedarf eine große Rolle spielen. Der Liquiditätsbedarf im Ruhestand verläuft nicht linear. Zu Beginn ist er oft hoch, weil viele Menschen aktiv sind, reisen möchten und sich Hobbys widmen. Später kann dieser Bedarf zunächst sinken, um im letzten Drittel wieder deutlich zu steigen – etwa durch Pflege- und Gesundheitskosten.

Woran liegt das?

Weil Altersvorsorgeplanung häufig darauf reduziert wird, dass zu Pensions- bzw. Rentenbeginn genug vorhanden sein soll. Aber dieses „genug“ hat viele Aspekte. Man muss antizipieren, wie das Leben verlaufen könnte, welche Pläne jemand hat, welche Mittel angespart wurden, wo diese investiert sind, wie liquide sie sind und wofür sie später gedacht sind.

Will ich das Geld verbrauchen? Will ich es vererben? Soll ein Teil vielleicht an Kinder oder Enkel gehen? Und wann wird welches Geld tatsächlich gebraucht? Genau hier kommt das Denken in unterschiedlichen Zahlungsströmen ins Spiel. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Cashflow-Modeling: Wofür ist welches Geld da, wann wird es gebraucht und wie muss es investiert sein, damit der Plan aufgehen kann?

Wann sollte man mit dieser Planung beginnen?

Die eigentliche Altersvorsorgeplanung sollte aus meiner Sicht etwa zwischen 25 und 30 beginnen. Mit 18 geht es meist eher darum, ein Sparverhalten zu entwickeln und zu verstehen, dass nicht alles, was am Konto landet, sofort wieder ausgegeben werden sollte.

Wenn es auf die 50 zugeht, beginnt der Übergang von der Altersvorsorgeplanung in die Ruhestandsplanung. Dann sollte man Bilanz ziehen: Wie haben bisherige Sparpläne funktioniert? Wie haben sich Pensionsansprüche entwickelt? Was hat sich beruflich und familiär verändert? Und auch: Wie lange will ich arbeiten, wo will ich leben und welche finanziellen Mittel brauche ich dafür?

Mit 70 kann man auf die Höhe des Angesparten kaum noch großen Einfluss nehmen. Aber auch dann kann man noch darüber nachdenken, wie die nächsten 15 oder 20 Jahre finanziell gestaltet werden.

Lesen Sie hier das komplette Interview.

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