©ChatGPT
in

Über alte Laptops, Kimi K3, kleine Lichter und helle Sterne

von Thomas Beckstedt

„Na, was sagst du?“, fragt Kurt stolz und zeigt auf sein Laptop.

„Also hast du dir doch ein neues gekauft“, erwidere ich; Kurt hat mir schon vor zwei Wochen das erste Mal betrübt berichtet, dass sich sein Laptop nicht mehr mit dem verflixten WLAN verbindet und er schon alles Mögliche versucht hat, um die Verbindung wieder herzustellen, denn ohne Internet, soviel ist klar, lässt sich heutzutage ein Laptop kaum noch sinnvoll nutzen.

„Nein“, sagt Kurt, „ich habe es selbst repariert. Vor ein paar Tagen war ich mit dem Laptop in einer professionellen PC-Werkstätte, aber selbst die Profis konnten den Fehler nicht lokalisieren. Als letzte Alternative nannten sie mir Windows 10 komplett neu zu installieren, aber dafür müssten sie mir 130 € verrechnen. 130 Mäuse für ein Laptop, das schon 14 Jahre alt ist …“

„Was, ehrlich? 14 Jahre? Was ist das für ein Gerät?“

„Lenovo“, erwidert Kurt knapp.

„Lenovo, also – ich verstehe; hätte ich mir bei dir eigentlich denken können.“

„Nein, da liegst du falsch. Vor 14 Jahren, also 2012, habe ich über vieles, das mich heute intensiv beschäftigt, keinen Gedanken verschwendet. Im Gegenteil! Nachdem damals mein Dell-Laptop den Geist aufgegeben hatte, wolle ich mir eigentlich ein ThinkPad von IBM kaufen, die ja lange Zeit als die absoluten Top-Geräte galten. Aber die gab es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr, weil IBM seine PC-Sparte mitsamt der ThinkPad-Produktion längst schon an Lenovo verkauft hatte, was ich damals nicht wusste, weil es mich nicht interessiert hat.“

„Stimmt“, ich nicke, „darüber habe ich kürzlich auch gelesen. Lenovo war vor diesem Deal mit IBM ein überschaubares Unternehmen, das außerhalb von China kaum jemand kannte …“

„… und jetzt ist Lenovo der weltweit größte Hersteller von PCs und Laptops weltweit“, fährt Kurt fort. „Auch IBM war seinerzeit euphorisch, weil sie ihre unprofitable PC-Sparte mit einem Schlag gut bezahlt losgeworden sind.“

„Ja, damals“, sage ich, „aber heute, könnte ich mir vorstellen, wird dieser Deal etwas nüchterner gesehen, um nicht zu sagen düster! Mit dem Deal ging ja nicht nur die Produktion an Lenovo, also China, über, sondern auch das Ergebnis jahrelanger Forschung und Entwicklung und dazu vermutlich ein paar tausend wertvolle Patente. Also ich glaube nicht, dass ein solcher Verkauf heute noch möglich wäre.“

„Da gebe ich dir recht“, sagt Kurt. „Ein solcher Transfer von Technik und Knowhow von USA nach China ist aktuell völlig undenkbar. Und ich glaube, dass zumindest die Falken im US-Establishment besagtes Geschäft inzwischen tief bereuen. Aber zurück zu meinem Laptop: Obwohl es wirklich gut ist wollte ich in ein so altes Gerät nicht weiter investieren, auch weil der Techniker nicht garantieren konnte, dass der Laptop nachher wieder gut läuft. Also habe ich es selbst versucht und siehe da: Up and Running!“

Gut gemacht“, ich klopfe Kurt auf die Schulter.

Er nickt: „Manchmal stelle ich mich solchen Aufgaben eigentlich nur deswegen, um mir das Gefühl zu geben, den Anschluss nicht völlig zu verlieren, obwohl die Neuinstallation von Windows 10 natürlich kein sonderlicher Geniestreich ist.“

Ich verstehe, was Kurt mir sagen möchte: „Mein Rechner läuft auch mit Windows 10, aber ich werde mir keinen neuen zulegen – nur wegen Windows 11, in das sie irgendwelche KI-Funktionen integriert haben, die ich aus heutiger Sicht nicht wirklich brauche. KI kann ich über meinen Browser und die dahinter liegenden Suchmaschine gut nutzen: Die Ergebnisse haben sich signifikant verbessert.“

Kurt beginnt zu lachen. „Stichwort KI: Gewiss hast du die Schlagzeilen über Moonshot AI und Kimi K3 gelesen …“

„Selbstverständlich …“

„Also ich habe ich mich sehr amüsiert“, gesteht Kurt. „Die Amis sind natürlich stocksauer, weil ein junges chinesisches Technikgenie namens Yang Zhilin, ein extrem leistungsstarkes KI-System trotz härtester High-Tech-Sanktionen durch USA veröffentlicht hat. Und jetzt zittern sie und drohen sie und sprechen von Plagiat und dass Moonshot AI irgendwelche Nvidia-Microchips illegal genutzt und Daten der US-KI destilliert hätte und all diesen Kram. Aber das wird ihnen nichts nützen …“

Wir sprechen noch eine Weile über Kimi K3 und das politische Erbeben, das durch die Veröffentlichung verursacht wurde, bis Kurt schließlich sagt: „Also nochmals: ich freue mich, dass ich mein gutes alten Laptop wieder online brachte, aber dieser junge Chinese hat mit seinem Erfinderreichtum eine ganze Branch erschüttert. Bildlich gesprochen habe ich eine kleine Kerze angezündet, während Yang Zhilin eine weitere Sonne auch den Tech-Himmel gezaubert hat.“

Nach kurzem Schweigen sage ich: „Du hast recht, technisch gesehen sind wir nur ganz kleine Lichter, wir haben nichts erfunden, was die Welt bewegt. Aber sozial, moralisch und geopolitisch sind wir Sterne – keine Superstars, aber helle Sterne! Wir verbreiten keine grimmigen Lügen, wir sind nie mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt geraten und wir haben auch keinen einzigen Krieg angezettelt. Stell dir die Welt vor, wenn alle so wären wie wir – nur mit ein bisschen mehr technischem Talent, wie in etwa Johannes Gutenberg, Thomas Edison − oder Yang Zhilin.“

Nachhaltigkeitspräferenzen: 159.000 Euro Strafe