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Sichtbar werden, ohne sich zu verbiegen

risControl 08 2026 „von Frau zu Frau“

Susanne Kondziolka-Bloch ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Friedrich W. Bloch GmbH und seit über 30 Jahren in der Versicherungsbranche tätig. 2009 übernahm sie nach dem Tod ihres Vaters das Familienunternehmen.

Ihr Fokus liegt auf Familien und Kleinunternehmen, ihr persönliches Steckenpferd ist die Krankenversicherung. 2024 hat sie ihr Buch „Relaxt versichern“ im Goldegg Verlag veröffentlicht – ein persönlicher Meilenstein, einerseits weil sie schon immer ein Buch schreiben wollte, andererseits weil es im Tagesgeschäft ein wirkungsvolles Marketinginstrument ist.

Welche Herausforderungen sehen Sie als Frau, die beruflich im Versicherungs- und Finanzsektor tätig ist, und wie gehen Sie damit um?

Die größte Herausforderung in dieser Branche war für mich persönlich in den ersten Jahren die Unterschätzung. Da fragten Kunden, ob „der Chef“ auch da sei, oder zahlreiche Branchenkollegen: „Bei wem arbeiten Sie?“ Als ob es undenkbar wäre, dass eine Frau selbst die Inhaberin eines Versicherungsmaklerbüros sein kann.

Das war frustrierend, aber auch motivierend. Heute hat sich das komplett gedreht. Man akzeptiert und respektiert mich als Expertin. Kompetenz setzt sich durch – egal, ob man Rock oder Anzug trägt.

Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen in der Branche, und welche Rolle spielen Frauen in diesen Veränderungen?

Zwei Entwicklungen beunruhigen mich derzeit. Zum einen werden immer mehr Maklerbetriebe von Großmaklern aufgekauft. Das ist traurig, weil damit der Individualismus unseres Gewerbes verloren zu gehen droht. Konzerne werden Umsatzzahlen einfordern, der einzelne Maklerbetrieb könnte dadurch stärker unter Druck geraten. Plötzlich zählt womöglich wieder nur der Abschluss, nicht die Beratung. Der Kunde könnte einmal mehr zum Opfer einer Servicewüste werden: Warteschleifen, Ticketsysteme, KI-Stimmen – und niemand kennt mehr seine Geschichte.

Zum anderen ist da die KI. Da kommt noch sehr viel auf uns zu, und grundsätzlich sehe ich das positiv. Viele Betriebe müssen sich digital aber noch ordentlich aufrüsten, sonst bleiben sie auf der Strecke. Selten hat der Satz „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ besser gepasst als jetzt. Und die Überalterung unserer Branche macht mir große Sorge – viele Kollegen haben weder Energie noch Know-how für diese Transformation und oft auch keine Nachfolgeregelung.

Welche Rolle Frauen dabei spielen? Ehrlich gesagt: noch eine zu kleine. Wir sind unterrepräsentiert, gerade in Führungspositionen. Aber genau deshalb müssen wir jetzt sichtbarer werden, uns vernetzen und Vorbilder sein. Damit die nächste Generation sieht: Es gibt Alternativen zu Konzernkarrieren und Umsatzdruck.

Welche Schritte sind Ihrer Meinung nach notwendig, um mehr Frauen in Führungspositionen in der Versicherungs- und Finanzbranche zu sehen – vonseiten der Unternehmen, des Staates und der Frauen selbst?

Unternehmen müssen Erfolg breiter definieren: nicht nur über Abschlusszahlen, sondern auch über Beratungsqualität, Kundenbindung und Weiterempfehlungen. Flexible Arbeitsmodelle sollten Standard sein – keine Extrawurst. Dazu braucht es Gehaltstransparenz. Der Staat ist gefordert, Karenzzeiten nicht zu Karriereknicks werden zu lassen, steuerliche Anreize für..

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