Klaus Robatsch ©KFV
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Forderung nach strengeren Regeln

KFV

Überhöhte Geschwindigkeit zählt weiterhin zu den größten Risiken im Straßenverkehr: Mehr als 25 Prozent der 397 Verkehrstoten im Jahr 2025 sind laut vorläufigen Zahlen auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) führte im Vorjahr rund 22 Millionen Tempomessungen an 243 Standorten durch und registrierte dabei tausende teils massive Überschreitungen. Rund 4.900 Pkw waren um mehr als 50 km/h zu schnell unterwegs, mehrere hundert sogar um über 70 km/h. Seit 1. März 2024 kann bei besonders hohen Überschreitungen im Ortsgebiet das Fahrzeug vorläufig beschlagnahmt werden – entsprechend ist auch die Zahl dieser Maßnahmen (2025: 267 Beschlagnahmungen)  zuletzt gestiegen.

Aus generalpräventiver Sicht fordert das KFV einen bundesweit einheitlichen Strafenkatalog sowie die rasche Umsetzung des bereits beschlossenen zentralen Verwaltungsstrafregisters. Derzeit haben die Behörden innerhalb der gesetzlichen Strafrahmen großen Ermessensspielraum. Dazu betont Dipl.-Ing. Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV: „Anders als in Deutschland gibt es in Österreich derzeit noch immer keinen bundesweit einheitlichen Bußgeldkatalog mit fixen Strafsätzen für bestimmte Verkehrsdelikte.“

Zudem spricht sich das KFV dafür aus, Geschwindigkeitsdelikte in das Vormerksystem aufzunehmen und praktikablere Lösungen bei Fahrzeugbeschlagnahmungen zu schaffen – etwa bei Dienst- oder Leasingfahrzeugen sowie zur Vermeidung von Missbrauch.

Die Messungen zeigen außerdem: In Tempo-30-Zonen überschreiten 66 Prozent der Pkw das Limit, 15 Prozent fahren 40 km/h oder schneller, 1,4 Prozent sogar mindestens 50 km/h. Basis sind mehr als 1,3 Millionen Messungen. Schon 10 km/h zu viel können im Ernstfall die Verletzungsschwere deutlich erhöhen.

„Die Gefahr beim Schnellfahren ist groß, die Zeitersparnis gering“, betont Dipl.-Ing. Robatsch. „Wer in der Stadt fünf Kilometer lang konstant mit 50 km/h statt mit 30 km/h fährt, würde gerade einmal vier Minuten an Zeit sparen. Tatsächlich liegt die Zeitersparnis aufgrund von Ampeln oder Kreuzungen sogar nur unter einer Minute, wie KFV-Fahrsimulationen zeigen.“ Gleichzeitig verlängert sich der Anhalteweg massiv: Bei 30 km/h kommt ein Fahrzeug nach rund 13 Metern zum Stillstand, bei 50 km/h erst nach etwa 27 Metern. Diese 14 Meter können über Leben oder Tod entscheiden.

„Lösungen entstehen am Markt, nicht am Reißbrett“