Monatelang wurde verhandelt und gefeilscht. Verkündet wurde die Einigung bereits Mitte Dezember 2025. Doch erst am 18. März 2026 folgte die notwendige EU-Verordnung 2026/667 „hinsichtlich der Festlegung eines Klimazwischenziels der Union für 2040“. Um die Klimaneutralität zu erreichen, lautet die verbindliche Klimazielvorgabe der EU für 2040 die Senkung der Netto-Treibhausgas-Emissionen um 90 % gegenüber dem Stand von 1990. Gleichzeitig eröffnet sich die EU ein Hintertürchen.
Wunschtraum: 2030 minus 55 %
Auf dem Weg zur europäischen Klimaneutralität bis 2050 wurde bereits vor geraumer Zeit mit dem Plan „Fit für 55“ das Etappenziel für 2030 fixiert: 55 % weniger Netto-Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Stand von 1990. Bis zum Jahr 2023 sind die Emissionen laut EU-Parlament und Schätzungen zufolge um 37 % niedriger als 1990. Es dauerte also 33 Jahre für einen Rückgang um 37 %. Wie sollen bei diesem Tempo die fehlenden 18 % (auf den Zielwert 55 %) bis 2030 geschafft werden?
Realitätsverweigerung: 2040 minus 90 %
Das Erreichen des 2030er-Ziel von minus 55 % erscheint nicht mehr realistisch. Umso optimistischer, um nicht zu sagen realitätsfern, mutet daher das Ziel an, die Emissionen im kurzen Zeitraum von 2030 bis 2040 um weitere 35 % zu reduzieren. Jene Politiker, die dieses Ziel nun fixiert haben, werden sich mit dessen Verfehlen aber ohnehin nicht mehr auseinandersetzen müssen. Und nicht zuletzt die aktuellen geopolitischen Auseinandersetzungen sowie deren langjährige Folgen machen das Erreichen von Klimazielen mehr als unsicher.
Bittere Realität
„Das vereinbarte Ziel beweist unsere feste Entschlossenheit, die vollständige Umsetzung des Übereinkommens von Paris fortzusetzen“, sagt Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin für einen sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel. Bleibt zu hoffen, dass die Pariser Klimaziele nicht auch dort verschwinden, wo in den letzten Monaten de facto bereits „Fit für 55“ und viele weitere (zu) optimistische EU-Klimaschutzvorhaben gelandet sind: In der Schublade.


