Die Österreichische Gesellschaft für Versicherungsfachwissen widmete ihr Netzwerkfrühstück der Frage, welchen Beitrag die betriebliche Altersvorsorge zur nachhaltigen Finanzierung der Pensionen leisten kann. Den Impulsvortrag hielt Univ.-Prof. Dr. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria.
Köppl-Turyna ordnete die geplante Reform der betrieblichen Altersvorsorge wirtschafts- und budgetpolitisch ein. Der Entwurf sei ein guter Anfang, es bestehe aber weiterer Reformbedarf. Positiv nannte sie mehr Durchlässigkeit zwischen Mitarbeitervorsorgekassen und Pensionskassen, größere Veranlagungsflexibilität, steuerliche Verbesserungen bei Eigenbeiträgen sowie mehr Transparenz. Gleichzeitig fehlten aus ihrer Sicht zentrale Punkte wie Auto-Enrollment, mehr Verbindlichkeit bei den Beiträgen, eine Weiterentwicklung der MVK-Beiträge und ein einheitliches steuerliches Regime für die zweite und dritte Säule.
Ausgangspunkt war die hohe Belastung des öffentlichen Systems: Bereits heute werde jeder siebte in Österreich erwirtschaftete Euro für Pensionen ausgegeben – mit steigender Tendenz. Die zweite Säule sei daher nicht nur individuelle Vorsorge, sondern auch ein Beitrag zur langfristigen Stabilisierung des Gesamtsystems. Mit „Sparen ist investieren“ verwies Köppl-Turyna auf den Zusammenhang von Vorsorge, Kapitalmarkt und Wachstum.
In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Peter Eichler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Versicherungsfachwissen, diskutierten VD Andreas Csurda, Allianz Pensionskasse AG, Abg. z. NR Kai Jan Krainer, SPÖ, Generaldirektor Dr. Ralph Müller, Wiener Städtische Versicherung AG VIG, sowie Abg. z. NR Mag. Christoph Pramhofer, NEOS-Parlamentsklub, über nächste Reformschritte.
Eichler verwies auf die demografische Verschiebung: Während 1970 noch rund vier Erwerbstätige auf eine pensionsbeziehende Person kamen, seien es heute nur noch etwa zwei. Krainer teilte den Befund steigender Ausgaben, verwies aber auf bereits umgesetzte Reformen sowie künftige Finanzierungsbedarfe in Bildung, Pflege und Gesundheit. Pramhofer sah die Reform der zweiten Säule als Schritt in die richtige Richtung und betonte die Bedeutung kapitalgedeckter Systeme, des faktischen Pensionsantrittsalters und flexibler Lösungen. Müller unterstrich die Notwendigkeit einer starken zweiten Säule zur Absicherung der ersten Säule. Csurda bewertete die Reform als positives Signal, sah aber weiteren Handlungsbedarf bei Verbindlichkeit, Reformschritten und Kapitalmarktnutzung.
Das Netzwerkfrühstück machte deutlich, wie vielschichtig die Diskussion über die Zukunft der Vorsorge ist: Es geht um die langfristige Balance zwischen öffentlicher Pension, betrieblicher und privater Vorsorge, Kapitalmarkt und sozialer Absicherung. Der Austausch wurde beim anschließenden Frühstück in persönlichen Gesprächen fortgesetzt.



