Die heimischen Versicherungsunternehmen stehen finanziell auf einem extrem soliden Fundament, doch die Kosten- und Schadeninflation schlägt voll auf die Prämien durch. Laut der aktuellen EY-Solvency-II-Analyse kletterte die durchschnittliche SCR-Quote 2025 auf starke 275,5 Prozent (Vorjahr: 255,4 %). Damit verfügt die Branche im Schnitt über deutlich mehr Eigenmittel, als regulatorisch gefordert ist. Zudem überzeugen die Rücklagen durch höchste Qualität: 94,1 Prozent entfallen auf die sicherste Kategorie (sogenanntes Tier-1-Kapital). Das bedeutet, dass fast das gesamte Geld aus echten, sofort verfügbaren Eigenmitteln wie Aktienkapital und Gewinnrücklagen besteht.
Für die Kunden bringt der Report allerdings eine Kehrseite: Über alle Sparten hinweg stiegen die verrechneten Prämien um 4,9 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro und lagen damit spürbar über der damaligen Inflation von 3,6 Prozent. „Prämiensteigerungen spiegeln ein Umfeld wider, in dem Kosten, Schadenaufwand und Risiken weiter steigen. Die Branche muss eine schwierige Balance zwischen leistbarem Schutz und langfristiger Ertragskraft halten“, betont Barbara Czanik, Partnerin bei EY Österreich.
Im europäischen Vergleich steht der heimische Markt bei der Solvenz (Median in Leben: 266,6 %; Non-Life: 256,0 %) hervorragend da. Beim Wachstum zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Österreichs Lebensversicherer mit 4,7 Prozent dem EU-Schnitt (6,6 %) hinterherhinken, überflügelt der heimische Sachbereich mit 5,9 Prozent das europäische Wachstum (4,5 %).
Das Kapitalpolster kommt zur rechten Zeit, denn ab 2027 rollt mit dem Solvency-II-Review die nächste regulatorische Welle an. Diese bringt konkrete Verschärfungen und Anpassungen bei technischen Parametern wie der Zinskurve, der Risikomarge und der Volatilitätsanpassung. Zudem müssen die Unternehmen neue Vorgaben bei der Berichterstattung, der Governance, dem Datenmanagement sowie bei der Bewertung von Nachhaltigkeits- und Klimarisiken umsetzen.


