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„Über Vergütung wird offener gesprochen werden“

AON / risControl Print 10 2026

Die EU-Frist für die Entgelttransparenzrichtlinie ist abgelaufen, ein österreichisches Umsetzungsgesetz steht noch aus. Was bedeutet das für Unternehmen und Beschäftigte? Gregor Lötsch,  Director Rewards Advisory DACH bei Aon, spricht in der risControl Print Oktober 2026 Ausgabe über gewachsene Gehaltsunterschiede, variable Vergütung und die Frage, ob mehr Transparenz tatsächlich etwas verändert.

Wird die Entgelttransparenz den Arbeitsmarkt in Österreich verändern?

Gregor Lötsch: Bewerbende werden eine stärkere Verhandlungsposition haben. Unternehmen müssen früher sagen, welche Vergütung sie für eine Stelle vorsehen. Damit hängt das Ergebnis weniger davon ab, wie geschickt jemand verhandelt oder wie viel Gehalt jemand zu fordern wagt. Dass deshalb alle mehr verdienen, halte ich angesichts der wirtschaftlichen Lage für unrealistisch. Die Vergütung kann aber gerechter und vor allem nachvollziehbarer werden.

 Österreich hat die Frist zur Umsetzung der EU-Richtlinie versäumt. Was sollten Unternehmen schon jetzt prüfen?

Lötsch: Unternehmen sollten nicht auf die Umsetzung der Richtlinie in österreichisches Recht warten. Die Umsetzungsfrist ist abgelaufen, und Gerichte müssen bei ihren Entscheidungen die EU-Richtlinie bereits berücksichtigen. Unternehmen sollten daher jetzt prüfen, nach welchen objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien sie Stellen bewerten, Gehälter festlegen und deren Entwicklung begründen. Diese Grundlagen zu erarbeiten und zu dokumentieren, braucht Zeit.

Wo wird es besonders schwierig?

Lötsch: Schon die Bildung vergleichbarer Gruppen ist anspruchsvoll. Eine kollektivvertragliche Verwendungsgruppe kann Tätigkeiten und Gehälter mit großer Bandbreite umfassen. Hinzu kommen historisch gewachsene Unterschiede: Jemand wurde vielleicht in einer Phase großer Arbeitskräfteknappheit zu einem höheren Gehalt eingestellt. Werden Gehaltserhöhungen danach ohne Differenzierung mit demselben Prozentsatz an alle vergeben, bleibt dieser Vorsprung bestehen. Andere – etwa Frauen, die beim Einstieg ein niedrigeres Gehalt ausgehandelt haben – können ihn so kaum aufholen. Solche Unterschiede müssen Unternehmen erklären können.

Lesen Sie mehr in der aktuellen Print Ausgabe Oktober 2026 

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