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Über Silvester 2025 in Klagenfurt, Godzilla und wie sich mächtige Menschen trösten

von Thomas Beckstedt

Kurt und ich sitzen Mitte Jänner in einem gemütlichen Kaffeehaus und plaudern über Silvester. Kurt erzählt von der Almhütte, in der er mit sich alleine Silvester gefeiert hat und ich erzähle ihm von Klagenfurt, wo ich mit Elisabeth das neue Jahr begrüßte. „Wie seid ihr eigentlich auf Klagenfurt gekommen?“, will Kurt schließlich wissen, nachdem ich eine Weile vom großartigen Feuerwerk in Velden am Wörthersee geschwärmt habe, wo die Menschen wie in vielen anderen Städten der Welt keine Angst vor Feinstaub haben.

„Es gab keinen besonderen Anlass“, erwidere ich, „irgendwann ist diese Idee gereift. Ich war schon lange nicht mehr in Klagenfurt, aber ich kann mich noch recht lebhaft erinnern, dass ich damals, als ich den Klagenfurter Lindwurm das erste Mal sah, von seiner doch recht überschaubaren Größe ziemlich enttäuscht war – und er ist noch immer nicht größer geworden.“

Plötzlich beginnt Kurt zu grinsen. „Wie gut, dass Donald Trump in Klagenfurt keine Die-Hard-Fans hat, die ihm blind nacheifern, sonst hätte man den Lindwurm sicher schon zu einem gigantischen Monster aufgeblasen.“

„Godzilla“, sage ich prompt und Kurt bekommt fast einen Lachkrampf. „Natürlich, Godzilla, was sonst?“, erwidert er, während er sich ein paar Tränen der Heiterkeit aus den Augen wischt. „Und Godzilla müsste wirklich riesig sein, denn nur Großes und Machtvolles ist wahrhaft gut und schön: Amerika mit der am besten bewaffneten und teuersten Armee der Welt, der neue Ballsaal im Weißen Haus und der neue Triumphbogen in Washington, der noch größer und schöner werden soll, als der in Paris. Da sollten wir Österreicher den Anschluss nicht verlieren. Also Godzilla als neues Wahrzeichen von Klagenfurt − und natürlich müsste man den Hauptplatz vergrößern, damit das Monster auch angemessen zur Geltung kommt. Aber kein Problem: Mit ein paar starken Abrissbirnen und Baumaschinen, alle Made in USA selbstverständlich, um Trump milde zu stimmen, ist das benötigte Areal schnell von störender Bausubstanz befreit. Dann kommen die Hollywood-Spezialisten − alle Born in USA natürlich, um die Linie nicht zu verlassen −, die auf die Gestaltung von Filmmonstern spezialisiert sind und die basteln dann aus Stahl und Kunststoff …“

„Ebenfalls Made in USA“, merke ich an.

„Selbstverständlich“, Kurt nickt. „Und am Ende bekommt der neue Lindwurmersatz, Godzilla also, noch eine rote Baseballkappe aufgesetzt, auf der groß geschrieben M.A.G.A. steht.“

„Make America great again?“, ich runzle die Stirn. „Ist das nicht ein wenig übertrieben?“

„Wieso? M.A.G.A. steht nicht für Make America great again, sondern für Make AUSTRIA great again!  – Aber das muss man Trump ja nicht sagen.“

„Tja, da würde er sich gewiss freuen und breit grinsen – ein weiteres tolles Ereignis für ihn, nachdem ihm diese seltsame Frau aus Venezuela die Medaille ihres Friedensnobelpreises geschenkt hat.“

„Mein Gott“, Kurt bläst die Luft aus, „ich habe diese Bilder gesehen, wie er dasteht, mit der Trophäe in Händen und grinst wie ein Schaukelpferd – dabei hat er nur die Plakette bekommen und nicht den Preis selbst, denn dieser ist nicht übertragbar, wie wir wissen. Natürlich hofft diese Frau aus Venezuela, dass er sie anstelle von Maduro an die Macht bringt, aber irgendwie scheint dies nicht sein vorrangiger Plan zu sein. Wir werden sehen.“

„Aber …“, auf einmal werde ich nachdenklich. „Warum sollten wir das tun? Ich meine, warum sollten wir Trump ein Godzilla-Denkmal errichten? Was haben wir davon, abgesehen davon, dass es gewiss höchst amüsant wäre?“

Kurt reibt sich das Kinn. „Tja, ich denke, es ist eine Art Rückversicherung. Wenn wir Österreicher klarstellen, wie sehr wir Trump lieben, laufen wir nicht Gefahr, dass er in einem dunklen Moment blinder Berserkerwut Österreich mit einem Schurkenstaat auf seiner umfassenden Liste mit Schurkenstaaten verwechselt und ein paar Bomben in den Stephansdom knallt, weil er zur irrigen Anschauung gekommen ist, der Stephansdom wäre keine katholische Kirche, sondern eine schiitische Moschee.“

„Klingt schlüssig“, sage ich nach eine paar Sekunden des Nachdenkens, „anderseits, nun ja, sollte der riesige Godzilla in Klagenfurt wirklich sehr, sehr schön werden, besteht natürlich auch die Gefahr, dass Tump ihn haben will, um ihn in Washington oder in Mar-a-Lago aufzustellen. Wenn ihm etwas gefällt, dann will er es auch haben. So wie Grönland zum Beispiel …“

„Grönland!“ Kurt schüttelt den Kopf. „Ich weiß nicht, ob ich dir davon erzählt habe, dass ich einmal in Grönland gewesen bin. Das ist schon ein paar Jahre her, aber ich schwöre auf einen Stoß Bibeln, dass ich damals kein einziges russisches oder chinesisches Kriegsschiff gesehen habe, auch keine Kampfflieger mit roten Sternen – und ich schätze mal, dass es aktuell nicht anderes ist.“

„Aber du weißt ja, wie Trump ist: Aus der Idee, den in Schutt und Asche liegenden Gazastreifen in ein neues Disney-Land zu verwandeln, ist nichts geworden. Im Donbass wird nach wie vor gekämpft und die Kanadier wollen partout nicht zum 51. Bundesstaat der USA werden. Irgendwie muss man sich ja trösten. Wie heißt es in Goethes Erlkönig doch so treffend: Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.

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