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Software gets eaten itself

von Leopold Quell

„Software is eating the world“: Diesen Ausspruch tätigte Marc Andreessen im Jahr 2011. Und er sollte recht behalten, hat sich die relative Gewichtung von Software-Unternehmen in globalen Indizes in den 15 Jahren seither doch mehr als verdoppelt. Stabiles überdurchschnittliches Wachstum und Skalierbarkeit waren zwei der Haupttreiber, wofür die Software-Riesen bei Investoren geliebt wurden. Doch die letzten Monate waren von Liebesentzug gekennzeichnet. KI und insbesondere agentische KI stellen das SaaS-Geschäftsmodell (software as a service) in der aktuellen Form infrage. Ich bin der Meinung, dass wir es tatsächlich mit einem Wendepunkt zu tun haben könnten. Was mich zu diesem Schluss kommen lässt, ist unter anderem Peter Steinbergers OpenClaw. In den letzten sechs Wochen haben wir die open-source software getestet und glauben, dass sie einen Blick in die KI-Zukunft offenbart. In eine Zukunft, die nichts Gutes für Software-Giganten verheißt.

Dabei ist – wie so oft bei Krisen – KI nur der Auslöser, der eine bereits zuvor bestehende Schwäche schonungslos offenlegt. Denn die großen Tech-Konzerne sind innovationsträge geworden. Es ist symptomatisch, dass agentische KI von Einzelentwicklern wie Peter Steinberger oder vergleichsweise kleinen Häusern (wie Manus aus China) kommt und nicht von den Labs der Tech-Giganten. KI ist bereits heute in der Lage software zu schreiben und sie wird diese Fähigkeit weiter ausbauen. KI ist auch in der Lage Software zu verwenden – oftmals weit effizienter als dies menschliche Nutzer könnten. Damit drohen LLMs ganz nebenbei das Geschäftsmodell der Big-Tech-Softwarehäuser aufzufressen.

Asien als Hauptprofiteur

Silicon Valley hat mit Silizium-Transistoren und der tatsächlichen Produktion von Mikroprozessoren schon lange nichts mehr zu tun. Dieser Teil des Geschäfts wurde über Jahre und Jahrzehnte in Länder ausgelagert in denen günstiger gefertigt werden konnte. Die längste Zeit eine logische und margenerhöhende Maßnahme, lag der Gewinntreiber doch in nahezu beliebig skalierbarer Software. Doch dieser outsourcing-Trend könnte sich nun rächen. Einerseits weil die Unternehmen – in den vormals als Billiglohnländer bezeichneten Staaten – das Produktions-Know-How nicht nur übernommen, sondern dieses auf ein völlig neues Level geführt haben. Es hat einen Grund warum TSMC die anspruchsvollsten Prozessoren (3 und 2 Nanometer-Fertigung) fast ausschließlich an den taiwanischen Standorten in Hsinchu und Kaohsiung baut und nicht etwa in Arizona. Andererseits weil es im digitalen Zeitalter (mit)entscheidend ist, wer Hardware (und Energie!) erzeugen kann. Die geopolitische Komponente dieser (Macht)verschiebung ist evident.

 

Wir glauben den ersten Akt der „Revanche des Physischen“ zu erleben. KI bringt Software (und andere digital dominierte Branchen) in Bedrängnis aber sie braucht ihrerseits (viel!) compute/Prozessorkapazität. Und wer kontrolliert die Hardware-Supply-Chain? Wo lassen Apple, Nvidia & Co produzieren? Wo kommen DRAM, Flash und HBM-Speicher her? Mehrheitlich aus Asien, vor allem aus Taiwan und Südkorea. Unsere These ist, dass das Narrativ der „Software-Dominanz“ abgelöst wird und dass Asien ein Hauptprofiteur dieses Trends ist.

 

risControl trägt Trauer