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Solvency II: Mehr Spielraum für Versicherer

von Mag. Christian Sec

Die neuen Solvency-II-Regeln treten am 30. Jänner 2027 offiziell in Kraft. Das neue Rahmenwerk könnte Aktienallokation, Kapitaleffizienz sowie Investitionen in öffentliche und private Märkte deutlich verbessern, wie James Budenberg, Senior Director – Strategic Insurance Group bei Aberdeen Investments, in einer Analyse schreibt.

Ein zentraler Punkt der Reform ist die Reduktion der notwendigen Rückstellungen für Versicherungsverträge. Der regulatorische Kapitalkostensatz zur Berechnung dieser Risikomarge sinkt von 6,0 auf 4,75 Prozent. Zudem reduziert ein Abschmelzungsfaktor bei langlebigen Verträgen, etwa Lebensversicherungen, die künftige Risikorückstellung. „Es werden EU-weit geschätzte Milliardenbeträge an Eigenkapital frei, die direkt investiert werden können“, schreibt Budenberg.

Auch für langfristige Aktieninvestments, sogenannte Long-Term Equity Investments (LTEI), gibt es Neuerungen. Bisher ging der günstige Risikopuffer von 22 Prozent verloren, sobald eine Aktie verkauft wurde. Ab Jänner 2027 können Fondsmanager flexibler umschichten, während der niedrigere Kapitalpuffer grundsätzlich erhalten bleibt. Bis dahin müssen Gesellschaften in der Standardformel rund 39 Prozent Eigenkapital für börsennotierte Aktien und 49 Prozent für Private Equity vorhalten.

Versicherer begrüßen Änderungen

„Eine geringere Kapitalunterlegung kann langfristige Aktieninvestments und ausgewählte Private-Equity-Exposures relativ attraktiver machen. Daraus folgt aber keine automatische oder gar kurzfristige Umschichtung des Portfolios“, erklärt die Vienna Insurance Group in einer Stellungnahme gegenüber risControl. Die Reform könne den Versicherern zusätzliche Handlungsspielräume eröffnen, „die potenziell auch langfristig positive Auswirkungen auf Ertragschancen und Kapitaleffizienz haben können“, heißt es weiter.

Auch Generali begrüßt auf Anfrage die verbesserten Rahmenbedingungen für Long-Term Equity Investments. „Die reduzierte Eigenkapitalunterlegung kann den effizienten Einsatz von Kapital fördern und dazu beitragen, Aktien- und Private-Market-Investitionen weiter zu attraktiveren.“ Mittelfristig erwartet Generali positive Impulse für Kapitalrenditen und die Eigenkapitalrendite im europäischen Versicherungssektor.

Kurt Svoboda, CFO der UNIQA, begrüßt die Maßnahmen zur Erhöhung der Kapitaleffizienz und die Unterstützung langfristiger Investitionen – insbesondere in produktive Realwerte. „Wir werden die sich aus den Reformen ergebenden Spielräume im Rahmen unserer Strategie berücksichtigen.“ Dank eines internen Solvency-II-Modells für Marktrisiken sei das Unternehmen von Änderungen an der Standardformel jedoch unabhängig.

 

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