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Finanzstress durch Klimawandel

von Mag. Christian Sec / risControl Print 09 2026

Die bisherigen Klimastresstests zeigen: Die Stabilität des Finanzsystems ist durch die Klimatransformation grundsätzlich nicht gefährdet. Doch ihre Folgen für die Realwirtschaft treffen zunehmend auch die Finanzinstitute.

Das Ausmaß des Einbruchs des BIP durch die extreme Hitze und Dürre in diesem Jahr ist noch nicht abschätzbar. Jedoch kann man davon ausgehen, dass der Schaden für die Volkswirtschaft erheblich sein wird. Man denke nur an Ernteausfälle, Niedrigwasserstände in wichtigen Flüssen, die den Güterverkehr einschränken, geringe Pegelstände für die Kühlung von Kraftwerken, leere Speicherreserven bei der Wasserkraft und nicht zuletzt an die Arbeitsproduktivität, die unter der Hitze leidet. Ein Stressszenario des internationalen Netzwerks der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden (NGFS) aus dem Jahr 2025 zeigt, dass Extremwetterereignisse das BIP in der EU innerhalb eines Jahres um fast fünf Prozent drücken könnten und schlussendlich auch auf das Finanzsystem übergreifen und beispielsweise das Kreditrisiko erhöhen. Besonders schwächer kapitalisierte Banken und Institute mit hoher Kreditexponierung wären davon betroffen.

Fit-for-55

Wie stark solche Klimarisiken auf den Finanzsektor durchschlagen können, zeigt die europaweite sektorübergreifende Fit-for-55-Klimaszenarioanalyse für Banken und Versicherungen aus dem Jahr 2024. Die Fit-for-55-Analyse – benannt nach dem EU-Ziel, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken – untersuchte, wie sich die geplante Transformation der europäischen Wirtschaft bis 2030 auf Banken und Versicherungen auswirkt.

Das Ergebnis fällt zunächst beruhigend aus: Die Umsetzung der europäischen Klimaziele gefährdet die Stabilität des Finanzsystems für sich genommen nicht. Im Basisszenario lagen die geschätzten Verluste der Banken bei 5,8 Prozent, jene der Versicherer bei 2,2 Prozent der jeweils betrachteten Exposures. Deutlich höher fallen die Belastungen jedoch aus, wenn die Transformation mit einem makroökonomischen Schock zusammentrifft. Dann steigen die geschätzten Verluste auf 10,9 Prozent bei Banken und 18,8 Prozent bei Versicherern. Mitberücksichtigte Zweitrundeneffekte – der erste Schock löst weitere wirtschaftliche Reaktionen aus, die den ursprünglichen Schaden verstärken – erhöhen die Verluste bei Versicherern sogar auf 23,3 Prozent der erfassten Exposures. Die ausgewiesenen Verluste beziehen sich auf die erfassten Vermögenspositionen und bilden nicht die Entwicklung des Versicherungsgeschäfts, etwa von Prämien und Schäden, ab. Besonders stark werden Versicherer im Extremszenario getroffen, weil der zusätzliche Finanzmarktschock die Swap-Sätze und Credit-Spreads steigen lässt und dadurch insbesondere die Marktwerte von Unternehmens- und Staatsanleihen belastet. Auf Staatsanleihen allein entfallen rund 40 Prozent dieses Effekts.

Erhöhtes Kreditrisiko

In einer weiteren Analyse hat die EZB die Ergebnisse des regulären EU-weiten Bankenstresstests 2025 nachträglich um Transitionsrisiken und akute physische Klimarisiken für den Bankensektor ergänzt. Das Ergebnis: Besonders betroffen sind Banken mit hohen Kreditengagements in energieintensiven Branchen. Die Transformation kann Unternehmen durch hohe Investitionen, steigende Finanzierungskosten und sinkende Profitabilität belasten. Dadurch steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit – aus einem Klimarisiko wird ein klassisches Kreditrisiko.

Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen risControl Print Ausgabe 09 2026.

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