Eine stärkere betriebliche und private Altersvorsorge könnte die Abhängigkeit des österreichischen Pensionssystems von der heimischen Wirtschaft deutlich verringern und zugleich zusätzliche Zukunftsinvestitionen ermöglichen. Das zeigt eine aktuelle WIFO-Studie im Auftrag des Versicherungsverbandes Österreich (VVO).
Österreich erreicht im europäischen Vergleich zwar eine hohe Bruttoeinkommensersatzrate aus der staatlichen Pension, setzt bei deren Finanzierung aber fast ausschließlich auf das Umlageverfahren. Laut der Studie entfielen 2024 rund 93 Prozent der gesamten Finanzierungsmittel für die Altersvorsorge auf das öffentliche Pensionssystem. Das erfasste kapitalgedeckte Pensionsvermögen entsprach hingegen nur 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – während dieser Anteil in Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden und Schweden jeweils bei über 100 Prozent liegt.
WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr betonte bei der Präsentation das zugrundeliegende Paradoxon: Während die Bevölkerung am Kapitalmarkt hochgradig risikoavers agiert, akzeptiert sie im Vorsorgesystem ein massives Klumpenrisiko. In Österreich bestehe ein radikal undiversifiziertes System, da fast ausschließlich von der eigenen inländischen Wirtschaftsleistung abgehangen werde. Die von WIFO-Ökonom Thomas Url erstellte Untersuchung plädiert daher für eine schrittweise Ergänzung des Umlagesystems durch Kapitaldeckung. Da beide Verfahren unterschiedlich auf wirtschaftliche und demografische Entwicklungen reagieren, kann eine international gestreute Veranlagung das System robuster gegen inländische Risiken wie etwa sinkende Geburtenraten machen.
Ein ausgebautes kapitalgedecktes System eröffnet zugleich neue Finanzierungspfade für Heimbetriebe. Die Studie zeigt, dass Länder mit ausgeprägten Umlageverfahren tendenziell kleinere Aktien-, Anleihe- und Risikokapitalmärkte aufweisen. Mit kapitalgedeckter Vorsorge könne man zusätzlich ausländische Wertschöpfung ins Inland bringen und die Altersvorsorge auf eine breitere wirtschaftliche Basis stellen, erklärte VVO-Generalsekretär Christian Eltner. Derzeit veranlagen österreichische Versicherer bereits über 100 Milliarden Euro – mehr als die Hälfte davon im Inland.
Der Versicherungsverband fordert von der Politik verlässliche und verständliche Rahmenbedingungen für die zweite und dritte Säule. VVO-Präsident Gregor Pilgram sieht im diskutierten staatlichen Zukunftsdepot für Kinder einen richtigen Ansatz für frühzeitigen Vermögensaufbau, pocht jedoch auf Wahlfreiheit und die Einbeziehung von Lebensversicherungen. Es gehe dabei nicht um eine Konkurrenz zur ersten Säule, sondern um eine Riesenchance für Volkswirtschaft und Bevölkerung, wobei die Versicherungswirtschaft mit ihren Beratungs- und Vertriebsstrukturen bereitstehe, diese Lösungen in die Breite zu tragen.



