v. l. n. r.: Mag. Christian Eltner (VVO), Univ.-Prof. Dr. Bettina Fuhrmann (WU Wien), Johanna Seeliger, MSc (WU), Christina Matzka (Triple M Markt- und Meinungsforschung) und Mag. Gregor Pilgram (VVO-Präsident). ©APA Martin Hörmandinger
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Viel versichert, wenig verstanden

VVO

Versicherungen gehören zum Alltag, doch wie sie tatsächlich funktionieren, ist vielen Menschen offenbar nicht klar. Gerade einmal 15 Prozent der Österreicher konnten in einer aktuellen Befragung das Versicherungsprinzip spontan richtig erklären. Gleichzeitig halten 71 Prozent dieses Prinzip für gut. Das zeigt eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts Triple M Matzka, die gemeinsam mit einer qualitativen Studie der Wirtschaftsuniversität Wien im Rahmen einer Pressekonferenz des Versicherungsverbandes VVO vorgestellt wurde.

Besonders ernüchternd fällt das Urteil über die Verständlichkeit der Versicherungsverträge aus. Nur 28 Prozent der Befragten halten diese für verständlich formuliert. Dabei geht es nicht allein um komplizierte Formulierungen. In der qualitativen Untersuchung der WU Wien zeigte sich, dass manche Menschen nur eine ungefähre Vorstellung davon haben, welche Schäden ihre Versicherungen tatsächlich abdecken. Einige berichteten sogar, bestehende Versicherungen aus Unwissenheit nicht in Anspruch genommen zu haben.

Für die qualitative Studie führte Johanna Seeliger vom Kompetenzzentrum für Finanzbildung der WU Wien 30 ausführliche Interviews mit Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren. Unter der Leitung von Universitätsprofessorin Bettina Fuhrmann wurde untersucht, wie Menschen Risiken wahrnehmen und mit ihnen umgehen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Versicherungen als Möglichkeit zur Risikoübertragung häufig erst dann ins Bewusstsein rücken, wenn konkret danach gefragt wird.

Die anschließende quantitative Untersuchung von Christina Matzka mit 1.000 Befragten zwischen 16 und 79 Jahren bestätigte den erheblichen Informationsbedarf. Zwar geben viele Menschen an, ihre eigenen Versicherungen zu kennen, doch das tatsächliche Verständnis wurde dabei nicht überprüft. Auffällig ist auch die Wahrnehmung der Lebensversicherung: Sie wird überwiegend als Ansparprodukt gesehen, lediglich 24 Prozent ordnen sie der Risikoabsicherung zu.

Mehr Information ist nicht automatisch mehr Verständnis

Dass Versicherungsbedingungen und Informationspflichten zunehmend komplex werden, sieht auch VVO-Generalsekretär Christian Eltner kritisch. In der Diskussion verwies er darauf, dass umfangreiche regulatorisch vorgeschriebene Unterlagen zwar Informationen liefern, von Kunden aber häufig nicht gelesen oder verstanden werden. Eine Lösung sieht er neben einer Vereinfachung der Regulierung vor allem in der persönlichen Beratung. Diese müsse helfen, die wesentlichen Inhalte herauszufiltern und die richtigen Fragen zu stellen.

Auch die Erwartungen an die Versicherungswirtschaft sind deutlich: Fast 80 Prozent der Befragten wünschen sich von den Unternehmen mehr objektive und transparente Informationen. 86 Prozent sprechen sich dafür aus, Finanzbildung bereits in der Schule zu vermitteln, bei den jüngeren Befragten sind es sogar 90 Prozent.

VVO-Präsident Gregor Pilgram betonte die Bedeutung der Finanzbildung für den bewussten Umgang mit Risiken und finanziellen Chancen. Der Verband setzt dabei unter anderem auf das Lernspiel „Less Risk, More Fun“, Unterrichtsmaterialien und den Instagram-Kanal „How to Versichern“.

Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass es nicht allein an verfügbaren Informationen mangelt. Entscheidend ist vielmehr, ob diese bei den Menschen ankommen und verstanden werden. Für die Versicherungswirtschaft und ihre Vermittler bleibt damit eine zentrale Aufgabe: aus komplexen Verträgen nachvollziehbaren Versicherungsschutz zu machen.

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