Die Digitalisierung der Versicherungswirtschaft ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf: 20 Jahre BIPRO in Deutschland. Ein Rückblick auf die wichtigsten Meilensteine und der Versuch, aus diesen Entwicklungen zu lernen, um in Österreich die digitale Kooperation zwischen Versicherungsmaklern und Versicherungsunternehmen zu beschleunigen und den künftigen Anforderungen der Kunden gerecht zu werden.
Von Philip Steiner, Sprecher BIPRO Österreich
Vor 20 Jahren glich die Kommunikation in der Versicherungswirtschaft in Deutschland – und natürlich auch in Österreich – einem analogen Hürdenlauf: Antragsformulare verschiedenster Sparten und Anbieter füllten die Kofferräume gut sortierter Versicherungsmakler. Daten wurden auf Disketten oder USB-Sticks zwischen Maklerbüros und Versicherern hin- und hergereicht. Heute, anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von BIPRO, blickt die Branche nicht nur auf eine technische Revolution zurück, sondern steht bereits vor der nächsten Entwicklungsstufe: Die Lehren aus zwei Jahrzehnten Standardisierung bilden das Fundament für die bevorstehende KI-Transformation.
2006 wurde BIPRO von Versicherungsmaklern und Versicherungsunternehmen gegründet, um Prozesse zu optimieren, die Effizienz der Branche zu steigern und ganz generell die Zusammenarbeit zwischen Versicherungsmaklern und Versicherungsunternehmen als Partner weiterzuentwickeln. Durch das Engagement weniger Akteure entstand eine Initiative, die mit inzwischen mehr als 300 Mitgliedern auch bei der Entwicklung auf europäischer Ebene ein wichtiger Player ist. Einer der wichtigsten Meilensteine war dabei sicherlich das gemeinsame Positionspapier mit dem GDV im Jahr 2014.
- Kernerkenntnisse: 20 Jahre als Fundament der Unabhängigkeit
Die Geschichte von BIPRO ist mehr als eine Chronik von XML-Sätzen. Aus ihr lassen sich drei zentrale Lektionen ableiten:
- Prozessoptimierung statt reiner Datenübermittlung: Es reicht nicht, Daten einfach „über den Zaun zu werfen“. Die entscheidende Erkenntnis lautet, dass echte Digitalisierung die gesamte Kette von der Preisberechnung über das Angebot bis hin zum Antrag und schließlich zur Versicherungspolizze umfassen muss. Nur durch diese mehrstufige, dynamische Kommunikation lassen sich die Anforderungen der Endkunden heute zeitgemäß abbilden.
- Neutralität als Investitionsschutz: Für die Entwicklung und Etablierung eines Branchenstandards ist es entscheidend, dass dieser von einer breiten Zahl von Marktteilnehmern getragen wird. Nur so ist sichergestellt, dass die Norm nicht bloß einzelnen Interessen gerecht wird. Die Heterogenität der Mitglieder – vom kleinen Maklerbetrieb bis zum globalen Versicherungskonzern – stellt bei BIPRO sicher, dass Interessen ausgehandelt werden, statt einseitige proprietäre Lösungen zu schaffen. Das schafft jenes Vertrauen, das für millionenschwere Investitionen in die IT-Infrastruktur notwendig ist.
- Wettbewerb durch Kooperation: Während Versicherer im Produktwettbewerb stehen, ist die digitale Infrastruktur ein „Level Playing Field“. Standardisierung bedeutet keinen Verzicht auf Wettbewerbsvorteile, sondern ist vielmehr die Voraussetzung, um überhaupt am Markt stattzufinden. Wer keinen Standard nutzt, hat es zunehmend schwer, in modernen Vergleichs- und Verwaltungsprogrammen seinen Platz zu finden.
Lesen Sie mehr dazu in der April Print Ausgabe von risControl.


